Gründungsdampfer von Hertha BSC Berlin : Eine Legende zum Jubiläum

Im nächsten Jahr feiert Hertha BSC den 125. Geburtstag. Zum Jubiläum kehrt der Gründungsdampfer nach Berlin zurück. Außerdem soll Hertha an der Anfield Road gegen den FC Liverpool spielen.

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Vorwärts in die Vergangenheit. Herthas Ostkurve übt sich in Vorfreude.
Vorwärts in die Vergangenheit. Herthas Ostkurve übt sich in Vorfreude.Foto: Imago/Contrast

So wie es aussieht, wird der Kapitän vorerst an Bord bleiben und auch bei der Fahrt nach Hause das Steuer übernehmen. Aber er hat schon angekündigt, dass es Probleme mit seiner Fahrtüchtigkeit geben könnte. Spätestens, wenn Hertha, der alte Dampfer, das Bundesland Brandenburg verlässt und die Berliner Stadtgrenze überquert, würden seine Augen so verheult sein, dass er nichts mehr sehen könne.

Vermutlich wird Herthas Kapitän nicht der Einzige sein, der dann mit feuchten Augen zu kämpfen hat.

Der Verein, der den Namen des Dampfers trägt, ist seit dem Sommer sehr bemüht, sich mit einer neuen Imagekampagne dem hippen Berlin anzudienen. Als „Startup seit 1892“ firmiert Hertha BSC seitdem. Dem normalen Fan des Bundesligisten aus der Ostkurve aber wäre es viel lieber, wenn sich der Verein weniger auf die digitale Transformation als auf die eigene Tradition konzentrierte. Auch deshalb besitzt das Schiff, das dem Klub seinen Namen gab, für die Anhänger eine mythische Bedeutung.

Seit Jahren hat es keine Mitgliederversammlung gegeben, bei dem der Rückkauf des Dampfers nicht wortreich angekündigt wurde. Passiert aber ist lange nichts – bis die beiden Präsidiumsmitglieder Ingmar Pering und Christian Wolter die Hertha vor einem halben Jahr auf private Initiative tatsächlich gekauft haben. Der Kaufvertrag ist inzwischen notariell beurkundet; Anfang nächsten Jahres soll der Besitzerwechsel offiziell vollzogen werden.

Doch damit ist es nicht getan: Auch Herthas Rückkehr nimmt konkrete Formen an. Pünktlich zum 125. Geburtstag des Vereins im kommenden Sommer soll sie wieder Berliner Wasser unterm Kiel haben. Ende April oder Anfang Mai beginnt die Heimfahrt des Schiffes. Zunächst wird die Hertha in Wusterhausen mit einem Kran aus der Kyritzer Seenkette gehoben und auf einen Tieflader verfrachtet. Doch wie es sich für ein Schiff gehört, wird sie nicht auf dem Landweg nach Berlin zurückkehren. In Kremmen oder Neuruppin soll Hertha wieder zu Wasser gelassen werden und von dort ihr vorläufiges Ziel auf dem Tegeler See ansteuern.

Zum Vereinsgeburtstag soll der FC Liverpool im Olympiastadion spielen

Anders als zunächst geplant, wird das Schiff nicht etwa vor Herthas Geschäftsstelle aufgebockt werden. „Wir wollen nicht, dass das Schiff irgendwo an Land vor sich hinrottet“, hat Pering Anfang der Woche bei „Hertha im Dialog“ gesagt. „Ziel ist, dass wir alle auf dem Schiff auf Berliner Gewässern fahren können.“ Nach einer umfangreichen Restaurierung, in dem der historische Originalzustand des Dampfers aus dem Jahr 1886 so weit wie möglich wiederhergestellt werden soll, sollen Fans die Hertha für private Anlässe chartern können. 144 Personen sind auf dem Schiff zugelassen.

Das alles – der Transport, die Restaurierung und auch der Betrieb des Schiffes – kostet Geld, das durch den Verkauf von Aktien hereingeholt werden soll. Das geschieht, sobald die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) ihre Genehmigung für die „1892 Schifffahrtsbetriebsgesellschaft auf Aktien“ erteilt hat. Erst dann wird auch der Ausgabepreis bekannt gegeben.

Trotzdem wirbt die Gesellschaft schon jetzt um Aktionäre. Bei Herthas Mitgliederversammlung an diesem Montag wird sie mit einem Stand vertreten sein, an dem sich Interessenten unverbindlich in Vormerkungslisten eintragen können. Insgesamt sollen in einer ersten Tranche 1892 Aktien ausgegeben werden. Präsident Werner Gegenbauer hat bei „Hertha im Dialog“ noch einmal darauf verwiesen, dass das Schiff eines schönen Tages „in die Nutzung von Hertha BSC übergehen soll“.

Die Rückkehr des Gründungsschiffes wird für die traditionsverliebten Fans einer der Höhepunkte in Herthas Jubiläumsjahr sein. Dass es noch einen sportlichen geben wird, ist inzwischen auch schon durchgesickert. Ende Juli, in der Woche des Vereinsgeburtstages, werden Herthas Profis den FC Liverpool, der ebenfalls 1892 gegründet wurde, zu einem Freundschaftsspiel im Olympiastadion empfangen. Was bisher noch nicht bekannt ist: Wie im Europapokal soll die Partie mit Hin- und Rückspiel ausgetragen werden. Nach derzeitiger Planung werden die Berliner im April nach Liverpool reisen und an der legendären Anfield Road gegen die Mannschaft des deutschen Trainers Jürgen Klopp antreten.

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