Sport : Grundkurs Fußball

Ausbilder Erich Rutemöller über seine Erfahrungen mit Jürgen Klinsmanns Kandidat Bernhard Peters

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Herr Rutemöller, Sie stammen wie Bernhard Peters aus Rheine. Was zeichnet die Menschen aus, die von dort kommen?

Die Rheinenser sind Westfalen, und denen wird wohl nicht zu Unrecht eine gewisse Stur- und Dickköpfigkeit nachgesagt. Man braucht eine gewisse Zeit, um mit uns warm zu werden. Aber wenn man das geschafft hat, sind wir bis ins Letzte zuverlässig.

Stimmt es, dass sich Ihre Familien schon lange kennen?

Bernhards Eltern hatten in Rheine ein Eisenwarengeschäft. Daher kannte ich die Familie Peters, aber ich glaube nicht, dass die Familie Peters die Familie Rutemöller kannte.

Sie haben also früher nicht zusammen auf der Straße Fußball gespielt?

Wie alt ist der Bernhard jetzt?

Fünfundvierzig.

Sehen Sie, ich bin 60. Wir haben uns erst im Studium in Köln kennen gelernt. Bernhard hat bei mir studiert. Danach haben wir uns ein bisschen aus den Augen verloren. Es hat etwas gedauert, ehe wir uns zum Kaffee getroffen und fachlich unterhalten haben. Aber damals habe ich schon gedacht: Der hat wirklich gute Ideen.

Und wie hat er sich als Fußballer gemacht?

Er hat mal einen Grundkurs Fußball bei mir belegt, das weiß ich. Aber das ist so lange her. Er war mit Sicherheit nicht schlecht.

Was schätzen Sie an Peters?

Dass er in allem, was er macht, zielstrebig arbeitet: von der Planung über die Durchführung bis hin zur Leistungskontrolle. Ich war ja auch dabei, als Bernhard sich in Berlin zum ersten Mal mit Jürgen Klinsmann getroffen hat. Das war eine lockere Gesprächsrunde, in der es vor allem um Sportpsychologen ging. Bernhard hat aber auch erzählt, wie er seine Spieler über Trainingsinhalte informiert und welche Hausaufgaben sie zusätzlich machen können.

Und aus alter Freundschaft haben Sie ihn als Referent für den Trainerlehrgang engagiert?

Nein, das war kein Freundschaftsdienst. Das müssen Sie mir einfach so abnehmen. Wenn man – so wie ich – den Lehrgang immer wieder optimieren will, muss man auch über den Zaun blicken. Ich habe zu Bernhard gesagt: Du musst bei uns einlaufen. Du kannst uns weiterhelfen. Er hat über Coaching referiert, wie er seine Mannschaft führt, was er in der Pause sagt, wie er sich selbst auf ein Spiel vorbereitet, aber auch, wie man die Videoanalyse für die Trainingsplanung nutzen kann. Das sind wirklich sehr gute Dinge.

Wie war die Resonanz?

Sehr gut. Ich habe gerade erst eine SMS von einem Absolventen, einem Trainer aus der Regionalliga, bekommen. Der hat mir geschrieben, wie toll er das damals fand.

Trauen Sie Peters auch die Aufgabe als Technischer Direktor beim DFB zu?

Man müsste erst einmal ein genaues Anforderungsprofil erstellen. Ich glaube schon, dass er in der Nachwuchsförderung noch etwas tun und auch die Zusammenarbeit mit mir als Trainerausbilder verbessern könnte. Was ich mir nicht vorstellen kann, ist, dass Bernhard übergangsweise die Nationalmannschaft trainiert. Aber das hat er ja selbst wohl auch schon ausgeschlossen.

Peters ist der Wunschkandidat von Jürgen Klinsmann, Sie sind von Klinsmann aus dem Trainerstab der Nationalmannschaft ausgeschlossen worden. Ist der Bundestrainer ein Reizthema zwischen Peters und Ihnen?

Überhaupt nicht. Ich hege keinen Groll gegen Jürgen Klinsmann. Seine Entscheidung habe ich damals absolut akzeptiert. Am Wochenende haben wir sogar noch miteinander telefoniert, und vorige Woche war ich zum Lehrgang nach Düsseldorf eingeladen. Die Arbeit von Jürgen Klinsmann schätze ich wirklich sehr hoch ein.

Das Gespräch führte Stefan Hermanns.

Erich Rutemöller, 60 , ist Trainerausbilder beim DFB. Zuvor gehörte er zum Trainerstab der Nationalmannschaft. In der Bundesliga war er Trainer beim 1. FC Köln und Hansa Rostock.

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