Sport : Gruppenbild mit Trainer

Unions Coach Mirko Votava legt Wert auf Geschlossenheit

Karsten Doneck

Zinnowitz. Mirko Votavas Blick sagte einiges. Die Zornesfalten auf seiner Stirn unterstrichen , was der Trainer des 1. FC Union fühlte: Wut, Ohnmacht, Unverständnis. Statt, wie von ihrem Trainer angeordnet, sich sofort zum Auslaufen zu begeben, kasperten die Fußballprofis am Spielfeldrand herum, plauderten, nahmen mineralhaltige Getränke zu sich, schrieben Autogramme – niemand dachte ans Auslaufen. Erst nach einer Weile trotteten die Spieler doch noch los. So geschehen nach dem mit 4:1 gewonnenen ersten Testspiel beim FC Brandenburg 03. Votava sagt: „Mich ärgert das.“

Für den Trainer ist das Verhalten seiner Profis in solchen Momenten nicht professionell genug. Auch jetzt, im zehntägigen Trainingslager in Zinnowitz, ist Votava mit Eifer bei der Sache, bei den schweißtreibenden Trainingsspielchen sechs gegen zwei greift der ehemalige Profi von Werder Bremen selbst ein. Votava redet viel mit den Spielern, weist sie auf Fehler hin. Der Trainer ist auf dem Trainingsplatz omnipräsent. Wie anders war doch da sein Vorgänger, der Bulgare Georgi Wassilew. Der stand, das schwarze Basecap mit dem Union-Logo tief in die Stirn gezogen, mit auf dem Rücken verschränkten Armen auf dem Platz, schaute sich das Treiben seiner Profis aus gebührender Distanz an, regelte kaum einmal den Trainingsbetrieb, sondern überließ diese Aufgabe seinem Assistenten Iwan Tischanski. Votava dagegen mischt mit. Würde er nicht im Gegensatz zu den anderen einen blauen Trainingsanzug tragen, könnte man ihn für einen der Spieler halten.

Aber: Mirko Votava hat immer noch gegen Vorurteile anzukämpfen. Einige Anhänger zweifeln seine Fähigkeiten an. Der Mann sei zu unerfahren, heißt es, um Union nach vorn zu bringen. Heiner Bertram kann mit derlei Kritik am Übungsleiter nichts anfangen. „Herr Votava ist ein prächtiger Mensch. Er bringt Stimmung und Lockerheit rein, aber trotzdem auch Ehrgeiz und Sportsgeist“, sagt der Präsident. „Die Kameradschaft ist gut. Wenn ich da so an die vergangenen Jahre denke ... Wir haben uns da zu sehr auf Wassilew verlassen.“ Unter dem bulgarischen Trainer waren Grüppchenbildungen unter den Spielern üblich.

Votava ehrt obendrein, dass er ein bescheidener Mensch ist. Er kann sich mit allen Bedingungen arrangieren. Was denn am Trainingslager im Zinnowitz störend sei, wurde er gefragt. Votava überlegte lange, ehe er sagte: „Na ja, ich habe festgestellt, dass unser Trainingsplatz ein wenig uneben ist.“ Wenn das alle Sorgen bleiben, kann sich Union auf die Saison freuen.

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