Sport : Gruß an die alte Welt

Volleyball-Star Carroll trifft mit Berlin auf Haching – den Klub, in dem er zuletzt nicht glücklich war.

 Frank Bachner

Berlin - In Unterhaching lief ein Mädchen mit seinem Foto und seinem Namen auf dem T-Shirt bei Heimspielen durch die Halle, Paul Carroll fühlte sich geehrt. Er ist doch nur ein Volleyballer, aber im beschaulichen Unterhaching haben sie halt eine besonders enge Beziehung zu den Spielern von Generali Haching.

So war das in der vergangenen Saison. Jetzt spielt der Diagonalangreifer Carroll bei den Berlin Volleys, und in der Schmeling-Halle trägt niemand ein Paul-Carroll-T-Shirt. Der Australier nimmt es locker zur Kenntnis. Hier ist eine andere Welt, hier kommen 5000 bis 6000 Zuschauer zu Spielen, in Unterhaching waren es 1500. Und in Berlin ist Carroll noch nie auf der Straße angesprochen worden, obwohl er von Experten in der vergangenen Saison zum „Wertvollsten Spieler“ der Bundesliga gewählt wurde.

Die Berlin Volleys sind ein großes Projekt, das ist ihm viel wichtiger. Die wollen zur neuen Nummer eins im Volleyball in Deutschland aufsteigen, das hat den 25-Jährigen gereizt. Er sitzt in einem Café und redet von der „Leidenschaft, mit der Manager Kaweh Niroomand mir dieses Projekt vermittelt hatte“. Das sei der Hauptgrund für seine Unterschrift unter dem Zwei-Jahresvertrag gewesen.

Jetzt steht dieses Projekt vor seiner ersten großen Herausforderung, die Volleys spielen am Donnerstag (19.30 Uhr, Max-Schmeling-Halle) gegen Generali Haching, Carrolls bisherigen Klub, der bisher stärkste Gegner der Volleys. „Ich bin total aufgeregt“, sagt Carroll. Er hat noch Freunde in Haching, und überhaupt, das Verhältnis zum Klub sei gut.

Mag sein, besser gesagt: jetzt wieder. Aber Niroomand konnte Carroll nicht bloß wegen der großen Pläne und des guten Geldes, das er bietet, verpflichten, Niroomand hatte auch einen guten Zeitpunkt erwischt. Carroll fühlte sich zuletzt in Haching nicht mehr wohl. Der Klub hatte – schon vor der vergangenen Saison – Diagonalangreifer Christian Dünnes für die Saison 2011/12 verpflichtet; eine Art Misstrauensvotum gegenüber Carroll. Außerdem hatte Trainer Paduretu Carroll bei den Play-offs zeitweise auf die Bank gesetzt. Der Star-Angreifer war ihm nicht konzentriert genug.

Carroll sagt kein schlechtes Wort über Paduretu oder Haching, er deutet die Problematik mit Dünnes nur an, aber natürlich ist es nicht bloß sportlich ein besonderes Spiel für den Australier. Er muss an seine derzeitigen Grenzen gehen, das kommt noch dazu. Er ist „noch nicht in Bestform, ganz entschieden noch nicht“, sagt Carroll. Auch Niroomand konstatiert „Abstimmungsprobleme“.

Die sollten bald behoben sein, Carroll gehört mit Mittelblocker Tomas Kmet zu den größten Leistungsträgern, die das Projekt vorantreiben sollen, gestützt durch eine in Deutschland einzigartige Kulisse und Atmosphäre bei Heimspielen. Carroll findet diese Stimmung zwar auch „beeindruckend“, aber in die Knie vor Ehrfurcht geht er deshalb noch lange nicht. Mit Australiens Nationalteam spielte er in Japan mal gegen den Gastgeber vor 15 000 höllisch lauten Fans. Und? „Wir gewannen 3:0“, sagt er lässig.

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