Sport : Gruß per Knopfdruck

Wie wirksam sind die neuen Regeln in der Formel1?

Frank Bachner

Alles soll jetzt besser werden und spannender und billiger in der Formel1. Die Reformen sollen Ferrari bremsen und zugleich die horrenden Kosten senken. Nur: Ist es so? „Spontan erkennen wir bei diesen Vorschlägen keine Ersparnis“, sagte Mercedes-Sportchef Haug dem Sportinformationsdienst. Ferrari-Teamchef Todt dagegen sagt: „Geht man ins Detail, sieht man, dass die Vorschläge in die richtige Richtung gehen.“ Allerdings ist er genauso wie Haug verärgert über die kurze Frist, die der Motorsport-Weltverband Fia den Teams zur Umsetzung der Reformen lässt. Viel zu kurz, sagen Ferrari und McLaren-Mercedes; aber auch andere Hersteller reagieren sauer. Am 9. März findet in Melbourne das erste Rennen statt, und Haug droht schon mit einem Boykott dieses Grand Prix.

Wenn man freilich bei den Reformen ins Detail geht, wird eines klar: Es gibt Änderungen, aber keine Revolution. Telemetriedaten des Fahrzeugs, also technische Werte, dürfen jetzt während des Rennens nicht mehr an die Box geleitet werden. Das bedeutet, dass die Box per Computer keine Änderungen mehr vornehmen kann, solange das Fahrzeug auf der Strecke ist. Das hört sich gewaltiger an als es ist. Michael Schumacher etwa hat ein mit Knöpfen und Anzeigen vollgestopftes Lenkrad bzw. Display. Dort kann er schon jetzt per Knopfdruck seinen Motor umfangreich verändern. Er kann zum Beispiel die Benzinzufuhr verringern oder den Druck auf die Vorderachse erhöhen. Einige dieser Punkte hat ihm bisher freilich die Box abgenommen. Ferrari muss nun ein Display entwickeln, auf dem alle Funktionen eingespeichert sind, die Schumacher im Rennen braucht. Den anderen Teams geht es genauso. Das kostet natürlich, und je mehr Geld ein Team hat, umso hochwertiger wird das Display. Und umso besser das Auto. Deshalb sagt Haug auch: „Noch nie hat eine Regeländerung Langsamere schneller gemacht.“

Das Verbot des Bordfunks verhindert auch keine Regelwidrigkeiten wie 2002, als Ferrari-Pilot Barrichello auf Funkbefehl hin Schumacher gewinnen lassen musste. Im Bordfunk redet sowieso fast nur der Fahrer, und zwar über strategische Fragen, zum Beispiel den nächsten Boxenstopp oder die Reifenwahl. Fehlt der Bordfunk, kommuniziert er eben über einen Knopfdruck auf seinem Display. Anweisungen der Box erhält er ebenfalls über Display.

Interessant dagegen ist das Verbot des automatischen Getriebes. Ein Computer schaltet in weniger als 25 Millisekunden. Schaltet ein Fahrer selbst, benötigt er rund 100 Millisekunden, und die zeitlichen Unterschiede zwischen den Fahrern beim manuellen Einlegen des Gangs werden nun größer. Allerdings steigt auch die Gefahr, dass ein Pilot den extrem empfindlichen Motor zerstört. Ein zu spätes Schalten, und da genügen Sekundenbruchteile, kann fatale Wirkung haben. Durch das Verbot des automatischen Getriebes wird die Leistung der Fahrer bedeutsamer, aber billiger wird die Formel 1 dadurch nicht. Doch eine Kostensenkung ist dringend nötig. Denn noch gilt die Faustregel: Ein Kilometer Fahrleistung in der Formel1 kostet 5000 Euro.

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