Sport : Gruß vom Bodensee

SCC-Volleyballer träumen von Friedrichshafener Verhältnissen

Frank Bachner

Berlin. Auf dem Bildschirm lief irgendein Unterhaltungsfilm, nichts Aufregendes, nur um die Langeweile zu vertreiben. Neun Stunden Busfahrt können ja ziemlich lang werden. Die Volleyballer des VfB Friedrichshafen kamen am Dienstag mit dem Bus nach Berlin, zum Spitzenspiel der Bundesliga, zum Duell mit dem SC Charlottenburg (heute, 19 Uhr, Sömmeringhalle). Natürlich hätten sie auch fliegen können, aber „die Flugverbindungen sind schlecht“, sagt Ulf Quell, der Teammanager des VfB. „Und dann ist es auch zu teuer.“

Das ist ihm doch einigermaßen wichtig. Es denkt doch jeder, der VfB schwimme im Geld. „Aber auch wir müssen rote Zahlen vermeiden“, sagt Quell. Stimmt ja, aber trotzdem liegen immer noch Welten zwischen dem SCC und Friedrichshafen, daran hat sich nichts geändert. Der Vorsprung der Schwaben ist eher noch größer geworden. Das liegt an Quell. Der wurde vor der Saison neu eingestellt, er ist jetzt der vierte hauptamtliche Mitarbeiter der VfB-Volleyballer. Seine Stelle wurde neu geschaffen, das Geld ist da, und keiner kann den Unterschied zwischen den Klubs besser einschätzen als Quell. Denn der war zuvor jahrelang beim SCC, als Spieler, zuletzt als Kotrainer. „Die Betreuung ist schon professioneller“, sagt Quell. In Berlin gibt es zwei hauptamtliche Mitarbeiter, Geschäftsführer Trotz und Trainer Culic, der Rest arbeitet ehrenamtlich. Zudem sind in Berlin die Wege erheblich länger als in Friedrichshafen. Das kostet Zeit.

Vor allem aber ist am Bodensee mehr Geld da. Rund eine Million Euro beträgt der Etat des VfB, der SCC kommt gerade mal auf die Hälfte. Friedrichshafen fährt zu Trainingsspielen nach Italien, der SCC könnte sich vergleichbare Trips „finanziell gar nicht leisten“, sagt SCC-Manager Kaweh Niroomand. In Friedrichshafen füllen zwei Großfirmen und diverse Regionalsponsoren die Klubkasse, beim SCC kommt das Geld von vielen kleineren Sponsoren. Dazu arbeitet ein Heer von freiwilligen Helfern dem VfB zu. Niroomand dagegen hat mal einen Jugendleiter des SCC erlebt, der für eine Fahrt von Marzahn nach Charlottenburg Fahrgeld wollte.

Umso mehr befriedigt es ihn, dass sein Klub sportlich mit Friedrichhafen zumindest annährend auf Augenhöhe ist. „Und dass wir immer noch die beste Jugendarbeit in Deutschland leisten.“ Aber sonst? „Friedrichshafen ist eine andere Liga, das muss man neidlos anerkennen.“ Das merkt Niroomand auch, wenn er einem eigenen Charlottenburger Talent erklären soll, weshalb es besser wäre in Berlin zu bleiben und nicht nach Friedrichshafen zu wechseln. „Welche Gründe ich nennen kann?“, fragt Niroomand. „Gar keine.“

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