• Günter Hermann, Weltmeister ohne Einsatz: „Natürlich hat man mich gebraucht“

Günter Hermann, Weltmeister ohne Einsatz : „Natürlich hat man mich gebraucht“

Fußballfans kennen Günter Hermann, 49, als Weltmeister, der kein Spiel bestritt. Ein Gespräch über 1990, eine Fehlinformation von Jörg Wontorra und die Bayern-Lobby.

Auch ein Weltmeister.
Auch ein Weltmeister.Foto: IMAGO

Günter Hermann, mal ehrlich: Hat man Sie eigentlich gebraucht bei der WM 1990?

Die Frage schon wieder! Natürlich hat man mich gebraucht, ich war Teil eines erlesenen 22-Mann-Kaders und Teilnehmer einer WM. Wenn man mich nicht gebraucht hätte, wäre ich gar nicht mitgefahren.

Sie können die Frage nicht verstehen?

Ganz genau. Solche Fragen stellt man sich nur in Deutschland, in Italien ist jeder, der Teil eines siegreichen WM-Kaders war, auch Weltmeister. Man gewinnt so ein Turnier nur als Mannschaft und nicht mit den elf besten Spielern.

Ihre Nachfolger 2010 heißen Dennis Aogo und Serdar Tasci. Die haben sicher eine miese Zeit, so allein auf der Bank.

Quatsch. Die werden sich im Training voll reinhängen. Es kann immer passieren, dass sich ein Mitspieler verletzt oder gesperrt wird. Auf diesen Moment hofft man als Ersatzspieler – ohne es den Kollegen zu wünschen, versteht sich.

Zeichnet es eine Turniermannschaft aus, dass auch die Ersatzspieler zufrieden sind?

Absolut. Denken Sie an die Weltmeisterschaften 1982 oder 1986! Wie es da gekracht hat. Oder 1994 mit Effenbergs Mittelfinger als Höhepunkt. 1990 in Italien haben wir beim ersten Training gemerkt: Diese Mannschaft passt zusammen wie Arsch auf Eimer. Auch jetzt, in Südafrika, kann man diesen Spirit bis nach Deutschland spüren.

Brauchen Ersatzspieler Extrazuspruch?

Wie das Jogi Löw macht, kann ich nicht sagen. Aber Franz Beckenbauer hat nicht viel mit uns gesprochen. Der hatte schon frühzeitig klargemacht, wer seine besten 12, 13 Spieler sind. Da war es unmöglich, sich noch in den Vordergrund zu spielen.

Dabei wären Sie fast eingesetzt worden.

Stimmt, im letzten Gruppenspiel gegen Kolumbien. Andy Brehme war gesperrt, ich sollte für ihn auflaufen. ARD-Reporter Jörg Wontorra hatte mir vor dem Spiel gesteckt, dass ich gute Karten hätte. „Franz will dich bringen“, sagte Wontorra.

Und was kam dazwischen?

Dumm für mich, dass im Spielerrat drei Bayern-Spieler saßen. Gegen Kolumbien saß ich auf der Bank und Hansi Pflügler vom FC Bayern stand auf dem Platz. Aber das schluckst du runter. Wir waren ja nach Italien gefahren, um Weltmeister zu werden, und nicht, um Günter Hermann spielen zu sehen.

Aber ein wenig stört Sie Ihr Image doch. Mich stört nur, dass ihr Journalisten auch 20 Jahre danach noch diese Keule auspacken müsst.Das Gespräch führte Alex Raack.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben