Sport : Gummibänder in Amerika bestellt Was die Nationalelf Hertha BSC lehrt

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Eigentlich hätte Carsten Schünemann nur auf sein Mountainbike steigen müssen und ein paar hundert Meter radeln, um sich mit Mark Verstegen auszutauschen. Schünemann ist Konditionstrainer von Hertha BSC, Verstegen Fitness-Trainer der Fußball-Nationalmannschaft. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hatte in den vergangenen Wochen häufig auf dem Gelände des Bundesligisten trainiert, einem Platz hinter dem Schenckendorffplatz, auf dem die Berliner zu dieser Zeit auch übten. Schünemann radelte aber nicht hinüber, „weil die ganzen Gerätschaften auf dem Gelände von Blau-Weiß aufgebaut waren“. Das Vereinsgelände des Hockey-Zweitligisten Blau-Weiß liegt in der Nähe des Schlosshotels Grunewald, dem WM-Quartier der Nationalmannschaft und dort schaute sich Schünemann gründlich um. Was er davon für sein Programm bei Hertha übernehmen konnte? „Ein paar kleine Sachen“, sagt er.

Seit vier Jahren ist Schünemann bei Hertha als Konditionstrainer angestellt. Einen Großteil von dem, was Bundestrainer Jürgen Klinsmann und seine Fitnesstrainer vermitteln wollen, ist bei den Berlinern schon üblich. „Wichtig ist es, so individuell wie möglich mit den Profis zu arbeiten“, sagt Schünemann. Fast in jeder Trainingseinheit sieht man ihn mit einem Profi neben dem Trainingsplatz joggen, während der Rest des Kaders anderen Übungsformen nachgeht.

Eine Revolution waren die Beobachtungen, die Schünemann beim DFB gemacht hat, nicht. „Die haben das Rad ja nicht neu erfunden“, sagt Herthas Konditionstrainer. Allerdings hätte der DFB ausgezeichnete Voraussetzungen geschaffen. „Ein Vorteil der Nationalmannschaft ist natürlich, dass sie gleich vier Fitnesstrainer hat. Die können die Gruppen unterteilen und sehr individuell trainieren.“

Was sich Schünemann von der Nationalmannschaft abgeschaut hat, sind unter anderem „verschiedene Übungsformen. Zum Beispiel Ganzkörper-Stabilisationsübungen im Aufwärmprogramm.“ Die Gummibänder, mit denen die Nationalmannschaft bereits seit einiger Zeit trainiert, hat sich Schünemann ebenfalls angeschaut und anschließend bestellt. In Herthas Vorbereitung auf die Saison sind sie schon zum Einsatz gekommen. Auch künftig will Schünemann mit den Fitnesstrainern der Nationalelf in Kontakt bleiben. „Vor allem werde ich mich weiter mit Oliver Schmidtlein austauschen. Mit dem sind die Kommunikationswege am kürzesten.“ Schmidtlein ist neben seinem Job beim DFB Rehabilitations-Trainer bei Bayern München.

Ein paar Tipps hat sich Carsten Schünemann auch von Markus Günther geholt, dem Fitness-Trainer des Hamburger SV. Dieser hat das Kunststück fertig gebracht, das Schünemann in diesem Jahr meistern muss – den Spagat zwischen der Vorbereitung auf die nächste Saison, bei der vor allem Grundlagenausdauer trainiert werden muss und fußballspezifischen Übungen, die im Hinblick auf die Spiele im UI-Cup wichtig sind. Dort spielt Hertha bereits am 16. Juli. Um den Spagat zu bewältigen, hatten die Spieler Hausaufgaben für den Sommer bekommen. Sie waren offenbar fleißig. „Die Laktat-Tests waren mehr als zufriedenstellend“, sagte Trainer Falko Götz. Deshalb dürfen seine Profis nun umso mehr mit dem Ball üben.

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