Gunter Gebauer über das Olympia-Aus : „Ringen ist eine veraltete Sportart“

Der Sportphilosoph Gunter Gebauer versteht, warum das IOC Ringen vorerst aus dem olympischen Programm gestrichen hat und hält die Kritik daran für "ein bisschen doppelzüngig". Er wünscht sich als Ersatz: Klettern.

von
Im Dickicht der Gliedmaßen. Die Feinheiten eines Ringkampfs können oft nur für Fachleute durchschauen.
Im Dickicht der Gliedmaßen. Die Feinheiten eines Ringkampfs können oft nur für Fachleute durchschauen.Foto: afp

Herr Gebauer, wird den Olympischen Spielen ohne Ringen etwas fehlen?

Es hinterlässt eine Leerstelle. Man konnte Ringen immer als Bindeglied zu den antiken Olympischen Spielen betrachten. Das ist eine Leitidee der modernen Olympischen Spiele, dass sie in der Nachfolge der antiken Spiele stehen. Es gab in der Antike Leichtathletik, aber eben auch Kampfspiele wie Ringen. Dieser Platz ist jetzt leer.

Ist der drohende Ausschluss von Ringen durch das Internationale Olympische Komitee ab 2020 ein schmerzlicher Verlust?

Also die Traditionsbrücke, die Ringen in die Antike schlagen soll, wird meines Erachtens überfrachtet.

Olympische Ringer-Momente
Wilfried Dietrich, der mittlerweile verstorbene „Kran von Schifferstadt“, ist legendär. Er gewann 1960 im Schwergewicht Freistil-Gold. Dazu holte er noch weitere vier Olympia-Medaillen.Weitere Bilder anzeigen
1 von 10Foto: dpa
13.02.2013 12:56Wilfried Dietrich, der mittlerweile verstorbene „Kran von Schifferstadt“, ist legendär. Er gewann 1960 im Schwergewicht...

Sie sehen es also nicht so, dass das IOC die eigenen Wurzeln verraten hat?

Nein, da muss ich das IOC mal ein bisschen in Schutz nehmen, was ich selten tue. Der moderne Sport hat doch jedes Recht, sich seine Kernsportarten neu auszusuchen. Wir müssen keinen Kotau machen vor einer idealisierten Antike. Schon in der Antike hatten die Ringer zeitweilig einen sehr schlechten Ruf, insbesondere wegen ihrer Blumenkohlohren.

Was können Sie der aktuellen Umgestaltung des olympischen Programms abgewinnen?

Es spricht doch für die Gesundheit der Olympischen Spiele, dass man auf die Jüngeren zugeht, ihnen die Hand reicht und sagt: Eure Sportarten sollen hier auch repräsentiert werden. Ein Ausschluss von Ringen wäre trotzdem schmerzlich, vor allem für Nationen, in denen Ringen Volkssport ist. Im Konzert der Nationen der Welt haben die ohnehin keine großen Stimme, etwa einige ehemalige sowjetische Teilrepubliken. Die müssen natürlich eine nationale Identität gewinnen, und das funktioniert ja, wie wir wissen, sehr stark über Sport. Man schneidet ihnen nun eine wichtige Möglichkeit ab, sich international zu repräsentieren.

17 Kommentare

Neuester Kommentar