Sport : Gut abgefüllt

Wie der DFB-Pokal die Feierlichkeiten überlebte

Michael Rosentritt

Oliver Kahns Gesicht verrät Vorfreude, als er Johannes Rau gegenübersteht. Aus den Händen des Bundespräsidenten erhält der Kapitän des FC Bayern München den 52 Zentimeter hohen DFB-Pokal. Kahn nimmt ihn vorsichtig entgegen, und als er ihn dann sicher im Griff hat, reckt er ihn querliegend über seinen Kopf in den Berliner Nachthimmel. Die Fans jubeln, die Konfetti-Kanonen spucken minutenlang rot-weiße Schnipsel aus. Kahn überlässt den Pokal seinen Mitspielern. Er wandert von Hand zu Hand und mit den Spielern in die Umkleidekabine.

Eine halbe Stunde später kommt ein halbnackter Samuel Kuffour mit dem Pokal aus der Kabine der Bayern. Zehn Meter weiter steht Manager Uli Hoeneß, der gerade Interviews gibt und nichts bemerken soll. Kuffour schleicht sich heran und trägt den Pokal wie einen randvollen Wassereimer ohne Henkel. Als er direkt hinter dem ahnungslosen Hoeneß steht, kippt er den Pokal über den Kopf des Managers restlos aus. Hoeneß, der sich nur einmal kurz nach vorn beugt, wischt sich die Augen frei, stellt fest, dass es sich um Sekt handelt und entschuldigt sich bei seinen Gesprächspartnern mit dem Hinweis, dass er sich umziehen müsse.

Wenige Minuten später bringt Bastian Schweinsteiger den Pokal in die längst laufende Pressekonferenz und stellt ihn vor Trainer Ottmar Hitzfeld auf den Tisch. Mit dem Bus geht es anschließend zum Bankett. Dort bekommt der Pokal einen Extratisch. Die Meisterschale wird an ihn gelehnt.

Nach den Reden und dem Essen kreist der Pokal von Tisch zu Tisch. Auch die Frauen der Spieler und andere ausgewählte Gäste dürfen den Pokal anfassen. Es werden viele Fotos gemacht. Kurz nach Mitternacht findet sich der Pokal auf einer großen Bühne wieder. Die Spieler des FC Bayern lassen sich feiern. Zu ihren Füßen steht der Pokal.

Schließlich landet der Pokal in der Ecke. Besser gesagt am Schanktisch der Kulmbacher Brauerei. Es ist kurz nach drei. Die drei Herren in Lederhosen und blaukarierten Hemden erkennen sofort ihre Chance. Jeder stemmt ihn hoch, aber so, dass nichts auskippen kann. Anschließend genehmigen sie sich ein paar großzügige Schlucke.

Wenig später sammelt ein eher unbekannter Herr im Vereinsanzug des FC Bayern den Pokal ein. Von da an verliert sich der Weg der Trophäe. Sicher ist, dass er den Weg ins Hotel der Sieger gefunden hat. Wer ihn sich aber mit ins Bett genommen hat, ist leider nicht überliefert.

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