Sport : Gut abgespeckt

Füchse-Torhüter Chambers-Montalvo tut alles für seine Karriere

Klaus Rocca

Berlin. Der Ball traf ihn mitten ins Gesicht. Alberto Chambers-Montalvo ging zu Boden und blieb liegen. Das war vor zehn Tagen, beim Gastspiel des SC Magdeburg in Berlin. Erst als Stefan Kretzschmar, der unglückliche Werfer, zu Hilfe eilte, kam der Kubaner im Tor der Reinickendorfer Füchse wieder auf die Beine. „Das hat wehgetan. Am nächsten Tag hatte ich noch Schmerzen, wenn ich ins helle Licht sah“, sagt Chambers-Montalvo.

Einer wie er geht normalerweise nicht so schnell zu Boden. Der 29-Jährige hat die Figur eines Schwergewichtsboxers. Vor kurzem war er noch zu schwer. „Wir haben ihm gesagt, er müsse unter 100 Kilo kommen“, sagt Georgi Swiridenko, sein Trainer bei den Zweitliga-Handballern der Reinickendorfer Füchse. Chambers-Montalvo, damals 107 Kilo schwer, befolgte den Rat. „Jetzt wiege ich nur noch 99“, verkündet er stolz.

Er sei ein wenig trainingsfaul, wurde auch bemängelt. Chambers-Montalvo winkt ab. „Ich hatte bis vor sechs Wochen noch Asthma. Da musste ich zwangsläufig kürzer treten.“ Die Mittel, die er gegen das Asthma einnahm, wären bei einer Dopingkontrolle wahrscheinlich aufgefallen. „Aber ich bin nie kontrolliert worden“, sagt er.

Ob Chambers-Montalvo beim heutigen Saison-Auftaktspiel gegen Aufsteiger HSC Landwehrhagen (19.30 Uhr, Horst-Korber-Zentrum) von Anfang an im Tor steht, ist ungewiss. Mit dem 44-jährigen Jörg Herrmann hat er einen harten Konkurrenten. Dabei kann auch Chambers-Montalvo auf reichlich Erfahrung verweisen, nämlich 60 Länderspiele für Kuba. Bei drei Weltmeisterschaften war er dabei. 1999 wurde er mit Kuba Achter, nur drei Plätze hinter Deutschland.

Vor Jahren verließ Chambers-Montalvo seine Heimat und ging nach Paris, wo er das Tor des Erstligisten US Ivry hütete. Nach Berlin kam er vor zweieinhalb Jahren wegen seiner damaligen Freundin, die er inzwischen geheiratet hat. Seine Frau verdient als Maskenbildnerin das Geld, Chambers-Montalvo steuert das wenige bei, das er bei den Füchsen verdient. Sein Sportlehrer-Diplom wird hier nicht anerkannt. „Wenn ich die deutsche Sprache beherrsche, habe ich bessere Chancen“, sagt Chambers-Montalvo. Er arbeitet daran wie an seiner Figur: Fünfmal in der Woche besucht er einen Deutsch-Kurs.

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