Sport : Gut, besser, Bayern

Die Münchner schlagen beim 2:0 über Manchester City auch ihren bisher hochkarätigsten Gegner

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An der Torstelle. Bayern-Stürmer Mario Gomez verwandelt den Abpraller nach Daniel van Buytens Kopfball zum 2:0. Foto: Reuters
An der Torstelle. Bayern-Stürmer Mario Gomez verwandelt den Abpraller nach Daniel van Buytens Kopfball zum 2:0. Foto: ReutersFoto: REUTERS

Wenn man Uli Hoeneß’ Worte vom vergangenen Wochenende weiterdenkt, dann gehört der FC Bayern seit dem späten Dienstagabend zum Favoritenkreis auf den Gewinn der Champions League. Im Spiel gegen Manchester City werde sich weisen, ob man diese Saison eine Chance auf den Titel habe, prophezeite der Präsident der Bayern am Samstag. Nun, nach dem überzeugenden 2:0 (2:0) gegen den Tabellenzweiten der Premier League, ist den Bayern in der Tat vieles zuzutrauen, womöglich auch die Teilnahme am Finale in der eigenen Arena. Zunächst aber werden sie es genießen, in der Vorrundentabelle schon einmal beruhigende fünf Punkte Vorsprung auf das hochkarätige Ensemble aus Manchester zu haben. „Wir waren am Anfang etwas nervös, aber mit Ablauf der ersten Halbzeit hat sich die Mannschaft gefangen“, sagte Bayern-Trainer Jupp Heynckes, „in der zweiten Halbzeit hat die Mannschaft wie aus einem Guss gespielt.“

Dabei mussten die Bayern auf einen Pfeiler ihrer bisher so stabilen Abwehr verzichten: Innenverteidiger Holger Badstuber pausierte wegen einer Grippe. Für ihn spielte Daniel van Buyten. An seiner Seite stand Jerome Boateng, der im Sommer von Manchester City zu den Bayern gekommen war. Bei den Gästen galt die besondere Aufmerksamkeit in der Startaufstellung dem Angriffsduo, bestehend aus dem ehemaligen Wolfsburger Edin Dzeko und dem Maradona-Schwiegersohn Sergio Aguero.

Es war gleich zu merken, dass dieser Gegner für die Bayern tatsächlich die bisher größte Herausforderung in dieser Saison sein würde. Schon in der vierten Minute stand nach einer Kombination über David Silva und Micah Richards plötzlich Dzeko in aussichtsreicher Schussposition vor Neuer, scheiterte aber am Bayern-Torwart. Mit ihrer anfangs hervorragend organisierten Mannschaft machten die Engländer dem Gastgeber zunächst das Leben schwer. Anders als sie es in dieser Saison bisher gewohnt waren, hatten die Münchner kaum eine Sekunde zum Durchatmen. Nahmen sie einmal im Mittelfeld den Ball in Ruhe an, war er sofort wieder weg. Doch weil sie dennoch ruhig und konzentriert agierten, blieb das Spiel ausgeglichen, und das auf sehr hohem Niveau. Für einen Schreckmoment sorgte Boateng in der 24. Minute, doch seinen rustikalen Rempler im Strafraum gegen Richards befand der Schiedsrichter nicht für elfmeterwürdig. Einen scharf geschossenen Freistoß von Yaya Touré fischte Neuer sicher aus der Luft.

Den Bayern fiel es bis dahin schwer, ihr schnelles Offensivspiel aufzuziehen, weil sie keine Räume fanden. Doch nach einer halben Stunde änderte sich das Bild. Manchester ließ die Zügel etwas lockerer, und die Bayern nutzten dies konsequent aus. Drei Distanzschüsse blieben noch ohne Erfolg. Dann aber leitete Ribéry mit einem kleinen Solo, gefolgt von einem tückischen Flachschuss, das erste Tor ein. Keeper Joe Hart parierte gut, aber nach vorn, Thomas Müllers Abstauber wehrte er zwar auch noch ab. Doch während der Bayernspieler sich schon zu grämen begann, schlug Mario Gomez zu (38.). Mit einem 1:0 zur Halbzeit hätten die Bayern gut leben können. Doch in der Nachspielzeit bekamen sie noch einen Freistoß von links außen. Kroos zog ihn scharf hinein, Daniel van Buyten lief hinein und tat, was er am besten kann: aufs Tor köpfen. Torwart Hart klärte mit starkem Reflex, doch wieder war Gomez zur Stelle. Er schoss aus einem Meter den Torwart so an, dass der Ball trotzdem zum 2:0 ins Tor purzelte. Binnen ein paar Minuten hatte dieses Spiel eine erstaunliche Wendung genommen.

Im zweiten Akt dann zwangen die Münchner mit einer nun beeindruckenden Kollektivleistung auch diesen Gegner in die Knie. Manchesters Trainer Roberto Mancini erkannte, dass die taktische Ordnung zerbröselt war: Er wechselte Angreifer Dzeko aus und brachte dafür den defensiven Mittelfeldspieler Nigel de Jong. An den Kräfteverhältnissen änderte das nichts. Es war Joe Hart, der mit weiteren Glanzparaden gegen Schweinsteiger und Gomez ein deutlicheres Ergebnis verhinderte. Und drüben auf der anderen Seite hatte Manuel Neuer in der ersten Hälfte etwas mehr zu tun als sonst, konnte sich aber ansonsten daran laben, mal wieder zu Null gespielt zu haben, zum zehnten Mal hintereinander.

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