Sport : Gut eingeteilt

Ilona Schindler ist als Trainerin im Eiskunstlauf erfolgreich

Frank Bachner

Stefan Lindemann geriet ins Stottern: „Ja, hm, was soll ich jetzt auf diese Frage sagen?“ Ganz einfach, die Punkte, die Ilona Schindler als Eiskunstlauf-Trainerin auszeichnen. Kann ja nicht so schwer sein, immerhin arbeiten die beiden seit 1988 zusammen. Aber damit war Lindemann jetzt überfordert. Er hatte eine Stunde zuvor sensationell Bronze gewonnen bei der Eiskunstlauf-WM in Dortmund. Er war wohl noch ziemlich durcheinander. Also beendete er diese Fragerei auf denkbar einfache Weise. „Dazu fällt mir nichts ein.“

Reinhard Mirmseker, Präsident der Deutschen Eiskunstlauf-Union (DEU), fällt dagegen einiges ein: „Sie setzt sich Ziele und verfolgt sie konsequent. Und sie lebt mit Feuer und Flamme für diesen Sport.“ Doch es gab Jahre, da lebte Ilona Schindler für ganz andere Sportarten. Handball und Leichtathletik zum Beispiel. Beides war ihre Leidenschaft, als sie noch Sportstudentin war. Gut, sie stand auch mal auf dem Eis, aber da war sie ein Kind. Mit vier begann sie, mit neun hatte sie die Nase voll. Als sie studierte, an der berühmten Deutschen Hochschule für Körperkultur in Leipzig, hätte sie sich gerne auf eine Mannschaftssportart spezialisiert. Aber sie lebte in der DDR, und nicht jeder konnte studieren, was er wollte. Die junge Ilona Schindler wurde zum Eiskunstlauf eingeteilt. „Zwangsverpflichet“, sagt die heute 45-Jährige. „Ich konnte mich nicht dagegen wehren.“

Bald hatte sie auch keinen Grund mehr dazu. Ihr gefiel die Trainerausbildung, in Erfurt bekam sie 1987 einen Job. Ein Jahr später übernahm sie Lindemann, später stieß auch noch das Talent Silvio Smalun zu ihr, der inzwischen in Oberstdorf trainiert. Smalun versucht bis heute vergeblich, einen vierfachen Toeloop im Wettkampf zu stehen. Das hat Lindemann inzwischen drauf. Seiner Trainerin verdankt er auch, dass er 2000 Junioren-Weltmeister wurde. Die hat im Moment eigentlich nur eine Sorge: „2000 kamen die ganzen Schulterklopfer zu Stefan und verschwanden, als es ihm nicht so gut ging, jetzt sind sie wieder da.“ Aber keine Sorge, ihren Athleten, lässt sie durchblicken, holt sie notfalls schon wieder auf den Boden zurück.

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