Sport : Gut für den Kopf

Albas Stanojevic spielt nach langer Pause wieder

Helen Ruwald

Berlin - Den größten Moment der Saison verpasste Jovo Stanojevic. Als Alba Berlin am Dienstag in Jerusalem ins Achtelfinale des Uleb-Cups einzog, saß er weder auf der Bank noch vor dem Fernseher. Er trainierte in Berlin, gemeinsam mit den jungen Burschen des TuS Lichterfelde. Doch die Zeiten, in denen der 29 Jahre alte Center sich mit dem Zweitligisten fit hält, sind vorbei. Am Sonntag gehört der Serbe beim Bundesligaspiel bei den Telekom Baskets Bonn wieder zum Kader des Tabellenführers, erstmals seit dem 23. Mai 2006.

Da hatte sich der MVP (wertvollste Spieler) der vergangenen Bundesliga-Saison im dritten Play-off-Halbfinalspiel gegen Bremerhaven einen Kreuzbandriss im linken Knie zugezogen. Ohne ihn zog Alba zwar in die Finalserie ein, verlor sie aber gegen Köln.

Wenn Stanojevic von seinem bevorstehenden Comeback spricht, redet er nicht von seinem Knie, sondern sagt: „Das ist gut für den Kopf.“ Endlich ist er wieder dabei, die lange Reha-Zeit war „so langweilig. Fünf Monate war ich allein mit einem Mann, ohne Mannschaft und ohne Ball.“ Im Dezember konnte er wieder die Wurfübungen mit der Mannschaft machen, seit Beginn des Jahres absolviert er das gesamte Programm, inklusive Zweikampftraining. Das Knie hält und schwillt nicht an, der Knieschutz ist eigentlich nicht notwendig, „er ist mehr für den Kopf“.

Seit Stanojevic zum letzten Mal für Alba aufgelaufen ist, hat sich viel geändert. Er war der Star, auf ihn war das Spiel zugeschnitten. Nun wird er zunächst mit einer Nebenrolle Vorlieb nehmen müssen. Er muss sich seinen Platz in einer völlig neu zusammengesetzten Mannschaft erkämpfen. Ohne ihn ist Alba erstmals seit sechs Jahren wieder in die nächste Runde eines internationalen Wettbewerbs eingezogen. Sharrod Ford, Ruben Boumtje Boumtje und all die anderen haben sich bewährt, während Stanojevic im Kraftraum und auf der Tribüne saß. Er ist sich seiner neuen Rolle bewusst. „Ich fange bei null an“, sagt er, „ich muss mich dem Stil der Mannschaft anpassen, nicht umgekehrt.“

Die Rückkehr sei „ein Meilenstein für Jovo und für uns“, sagt Trainer Henrik Rödl, fügt aber hinzu: „Er hat noch viel Rückstand. Das ist ein langer Prozess.“ Weder in Bonn noch im Uleb-Cup gegen Real Madrid erwartet Rödl von seinem ehemals besten Mann Wunderdinge. „Kurzfristig wird er kein großer Faktor sein. Ich hoffe, dass er uns in den wichtigen Pokalspielen und in den Play-offs helfen kann“ – die beginnen im Mai. Rödl muss nun einen Weg finden, Stanojevic in ein Team einzubauen, das sich über Monate gesteigert hat und eine Einheit geworden ist. Die Stärke der Konkurrenten hat freilich auch ein Gutes: Jovo Stanojevic hat Zeit, ein Gefühl für das Spiel zu finden und steht nicht unter Druck, die entscheidenden Punkte machen zu müssen. Was nicht heißt, dass er dazu bei Einwechslungen nicht fähig ist.

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