Sport : Gut gepudert

Manager Rudi Assauer gibt zu, dass die Saison für Schalke verkorkst ist – und droht, Spieler auszusortieren

Frank Hellmann

Bremen. Es dauerte, ehe Rudi Assauer im Multimediasaal des SV Werder ins Reden kam. Doch dann bemühte sich Schalkes Manager erst gar nicht darum, die Situation zu beschönigen. „Es ist eine verkorkste Saison: Nie wäre es so einfach gewesen, Vizemeister zu werden und in die Champions League zu kommen.“ Während Bremen sich den Uefa-Cup-Platz nun mit einem Sieg in Gladbach sichern kann, zittert ganz Gelsenkirchen im Heimspiel gegen die Bayern gar um den UI-Cup.

„Wenigstens den müssen wir erreichen“, sagt Rudi Assauer, „wir sind auch nicht auf Rosen gebettet.“ Was dem Schalker Manager noch mehr Sorge macht: Sie haben noch keinen Trainer für die neue Saison. Im ZDF-Sportstudio verstand es Christoph Daum geschickt, sich im Gespräch zu halten. „Es hat mehrere Telefonate mit Assauer gegeben. Schalke ist ein absoluter Traditionsverein, der eine gute Perspektive hat.“ Doch es gibt weder ein Angebot noch eine Verabredung. Daum beschreibt es so: „Es ist derzeit ein Abtasten. Ich bin nicht auf Jobsuche.“ Bis 2. Juni will sich der noch bis 2005 an Austria Wien gebundene Trainer entscheiden.

Doch eigentlich will Rudi Assauer ihn nicht. „Ob Daum oder der Natz von Dülmen im Sportstudio sitzt, interessiert mich nicht“, sagte der Manager in Bremen abfällig in kleiner Runde. Nein, er werde den 49-Jährigen auch nicht erneut anrufen. „Wir brauchen Zeit und Ruhe.“ Fakt ist: Im Gegensatz zu der Verpflichtung des früheren Bremer Amateurtrainers Frank Neubarth, die Assauer im Alleingang durchpeitschte, holt sich Schalkes Macher nun Rat ein.

Aufsichtsratschef Clemens Tönnies erklärt, dass Daum nicht sein Favorit sei, aber er mit ihm leben könne. In Spielerkreisen kann man sich nur bedingt mit Trainer Daum anfreunden. Schalkes Nationaltorwart Frank Rost meint: „Wir brauchen keinen Selbstdarsteller, sondern einen Disziplin-Fanatiker.“ Der Torwart gehört zu jenen, „die dem Manager die Meinung in dieser Frage gesagt haben“. Assauer und Rost sind in der Bewertung der leblosen und zerstrittenen Mannschaft einer Meinung. Der Manager prangert neun Platzverweise in dieser Spielzeit an, „diese Undiszipliniertheiten haben uns neun Punkte gekostet“.

Frank Rost ist als interner Kritiker nicht beliebt. Der ehrgeizige Torwart, der schon häufiger die mangelnde Berufsauffassung der Kollegen geißelte, war auch nach dem Spiel wütend. „Hier muss wieder Zug rein“, sagte Rost. Der indirekte Vorwurf, dass Trainer Marc Wilmots die Zügel nie in den Griff bekam, die Neubarth hatte schleifen lassen. Dazu passte Wilmots Spielfazit: „Ich kann der Mannschaft keinen Vorwurf machen.“

Schalkes Manager war anderer Ansicht: „Wir haben es wieder verbaselt“, sagte Assauer und wiederholte seine Drohung, im Kader auszusortieren. „Hinterher sind alle reumütig, das hilft nicht.“ Assauer will jetzt den UI-Cup erreichen. „Wir müssten ja mit dem Klammerbeutel gepudert sein, wenn wir diese Chance nicht wahrnehmen würden.“

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