Gut in Form : Dortmunds reife Jungs

Beim 3:1 auf Schalke standen acht Spieler in der Dortmunder Stammformation, die 22 Jahre und jünger sind. Doch trotz ihrer Jugend besitzt die Mannschaft bereits viel Erfahrung

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Der Alte darf stehen. Der 30-jährige Patrick Owomoyela bejubelt mit Neven Subotic, Robert Lewandowski und Nuri Sahin (alle 22 Jahre, von links) den Sieg bei Schalke.
Der Alte darf stehen. Der 30-jährige Patrick Owomoyela bejubelt mit Neven Subotic, Robert Lewandowski und Nuri Sahin (alle 22...Foto: dpa

Neulich, als das Dortmunder Talent Mario Götze in der Europa League zwei Tore zum fulminanten Auswärtssieg beim ukrainischen Vertreter Karpaty Lwiw beigesteuert hatte, mimte Neven Subotic den Routinier: „Wie alt ist der Mario? 18? Kaum zu glauben!“ Der Verteidiger gab sich als Veteran, als spräche er über einen Frischling, der sein Sohn sein könnte. Es war eine launige Koketterie mit dem Alter, schließlich ist der Serbe gerade mal 21. Und doch gehört er bei Borussia Dortmund bereits zum Establishment. Es ist immer wieder erstaunlich, wie konsequent der BVB seinen Jugendstil umsetzt. Im Europapokal und wenige Tage später beim grandiosen 3:1-Erfolg im Revierderby bei Schalke 04 standen acht Spieler in der Stammformation, die 22 und jünger sind.

Sieben Siege in acht Pflichtspielen haben die Dortmunder in der noch jungen Saison eingefahren und dabei nach der Auftakt-Niederlage gegen Leverkusen vor allem bei den Partien gegen Stuttgart, Wolfsburg und Schalke im spielerischen und taktischen Bereich brilliert. Es wird immer deutlicher, dass der Trainer einen Plan hat und seine Spieler in der Lage sind, diesen umzusetzen. Jürgen Klopp leitet in Dortmund ein begeisterungsfähiges Ensemble an. Dass die junge Garde ihre Gegner in Grund und Boden rennen kann, hat sich längst herumgesprochen. Überraschend ist allerdings, welch reifen Eindruck sie dabei in vielen Momenten hinterlässt. Das mag auch daran liegen, dass die Spieler trotz ihrer Jugend bereits auf einen fundierten Erfahrungsschatz bauen können. So bestreitet Nuri Sahin, der unumstrittene strategische Kopf im Dortmunder Mittelfeld, bereits seine sechste Saison als Profi. Dabei ist der Türke aus Meinerzhagen gerade erst 22 geworden. Sportdirektor Michael Zorc sagt, „dass Spieler wie Subotic, Hummels oder Sahin schon einige Schlachten geschlagen haben. Da ist trotz der Jugend eine gewisse Routine vorhanden.“

Und die wird auf dem Rasen sichtbar. So stufte Klopp nach dem Derbysieg die Balleroberung und das blitzschnelle Umschalten auf Angriff als „überragend“ ein. Das sind Qualitäten, die einen Gegner ziemlich alt aussehen lassen. Wahrscheinlich häufen sich auch deshalb die Fragen, ob die derzeitige Dominanz eher auf die eigene Stärke oder die Unpässlichkeit der Konkurrenz zurückzuführen sei. Nuri Sahin nerven solche Debatten. Nach dem Triumph gegen hat er festgestellt: „Wir waren stark – das ist Fakt.“

Tatsächlich ist es auffallend, wie weit die ewigen Rivalen derzeit auseinandergedriftet sind. Während die Dortmunder mit ihrer jungen Truppe wirbeln, sind sie in Gelsenkirchen beim Versuch, mit vielen Millionen in kürzester Zeit eine schlagfertige Truppe zusammenzukaufen, in eine Sackgasse geraten. Das Wedeln mit dem Scheckheft erinnert fatal an die Dortmunder Größenwahn-Zeiten der Ära Niebaum/Meier. So lang liegt die noch nicht zurück, und deshalb wird Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke nicht müde, daran zu erinnern, „wo wir vor fünf Jahren gestanden haben“. Nämlich am Abgrund.

Auch wenn der Klub diese Zeit längst hinter sich hat, müssen weiter Schulden abgetragen werden. Und das zwingt zu einer moderaten Ausgabenpolitik. Ist der Dortmunder Jugendkult also in erster Linie aus der Not geboren, und nicht aus Überzeugung? „Ich weiß nicht, ob wir das in dieser konsequenten Form umgesetzt hätten, wenn Geld auf dem Konto gewesen wäre“, räumt Zorc ein, schiebt aber sofort hinterher: „Das, was wir hier machen, ist unsere volle Überzeugung, von der wir nicht abrücken.“

Das heutige Spiel gegen Kaiserslautern (20 Uhr, live im Ticker) und die nächsten Wochen werden zeigen, wie weit der eingeschlagene Weg die Borussia tragen kann. Zumindest war Wolfsburgs Trainer Steve McClaren nach der Niederlage seines Teams von der Dortmunder Spielkunst dermaßen angetan, dass er den BVB kurzerhand zum Titelkandidaten hochlobte. Daneben saß Klopp, der solche Bemerkungen als kontraproduktiv empfindet. Dortmunds Trainer runzelte die Stirn, blickte genervt zur Decke und verkündete: „Ich möchte dem Kollegen mal zugute halten, dass er noch nicht so lange in der Bundesliga ist. Sonst wäre ihm diese fatale Fehleinschätzung nicht passiert.“

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