Sport : Gut spielen und ausschlafen Deutsche Handballer überraschen bei der WM

Hartmut Moheit

Sousse – Im ersten Augenblick war Heiner Brand geknickt. „Wir hatten die Chance, gegen Norwegen zu gewinnen“, sagte der deutsche Handball-Nationaltrainer nach dem vierten WM-Vorrundenspiel in Sousse. „Ich weiß nicht so recht, ob das 27:27 für uns wie ein Sieg oder wie eine Niederlage zu werten ist.“ Ein paar Stunden später, nachdem auch noch die Nacht zum Freitag dazwischen lag, sah er das Ergebnis sehr positiv: „Ich habe mir das Video des Spiels noch einmal angesehen, gravierende Fehler meiner Spieler konnte ich nicht entdecken. Vor allem hätte ich diesem jungen Team noch nicht eine derart starke Abwehrleistung zugetraut.“ Daraufhin kündigte Brand eine großzügige Geste an: Die Deutschen sollten am Freitagmorgen, dem Ruhetag, etwas länger im Bett bleiben dürfen. „Na ja, es waren gerade mal 15 Minuten, die das Frühstück verschoben wurde“, erzählte Kapitän Florian Kehrmann aus Lemgo.

Die Lockerheit und das Lob des Erfolgstrainers dürften den Spielern sehr gut getan haben, denn heute erwartet sie mit Serbien und Montenegro ein besonderer, unangenehmer Gegner. Nur gut, dass den Deutschen nach dem Unentschieden gegen Norwegen der Hauptrundenplatz in der Gruppe 2 in Nabeul nicht mehr zu nehmen ist. Dennoch, dieser Gegner greift besonders gegen die Deutschen häufig zu unfairen Mitteln. Trainer Veselin Vujovic ist meist derjenige, der als schlechtes Vorbild voran geht. Zudem kennen die Deutschen ihre Gegner nicht sehr gut: Keiner von ihnen spielt in der Bundesliga, die meisten verdienen ihr Geld in Spanien und in Ungarn. „Ich werde meiner Mannschaft sagen, sie soll sich nicht provozieren lassen“, sagte Heiner Brand gestern noch einmal. „Nur Ruhe und Disziplin sind die Mittel für den Erfolg.“

Horst Bredemeier, der Vizepräsident des Deutschen Handball-Bundes, sagte nach dem Erreichen der Hauptrunde sogar: „Jetzt beginnen die lockeren Spiele.“ Er wollte damit zwar nur ausdrücken, dass die im Neuaufbau befindliche deutsche Mannschaft bei dieser WM in Tunesien bereits mehr erreicht hat, als ihr viele zugetraut hatten. Brand dagegen glaubt speziell nach dem Norwegen-Spiel, dass noch mehr drin ist.

Bisher geht die Mannschaft um den immer stärker spielenden Oleg Velyky aus Essen mit einem Pluspunkt in die Hauptrunde. Mit einem Sieg heute und einem gleichzeitigen Erfolg der Ägypter gegen Norwegen würde sie sogar mit 4:0-Punkten dastehen. Der Sieg gegen Ägypten käme damit in die Wertung. Die drei Hauptrundenteilnehmer aus der Gruppe D wären dann Deutschland, Ägypten und Serbien-Montenegro.

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