Sport : Gut und gereizt

Arminia Bielefeld spielt eine tolle Saison – und diskutiert weiter nur über Trainer Thomas von Heesen

Felix Meininghaus[Dortm]

Die Entscheidungsträger von Arminia Bielefeld müssen sich am Samstagabend nach dem Verlassen des Dortmunder Stadions doch ein wenig gewundert haben. Fast hätte ihr Team den westfälischen Rivalen Borussia bezwungen, der Klub steht als Tabellensechster glänzend da, doch das Trio um die Geschäftsführer Reinhard Saftig und Roland Kentsch sowie Präsident Hans-Hermann Schwick wurde ausschließlich mit Fragen konfrontiert, die sich um die Zukunft von Thomas von Heesen drehten.

Und so kam es, dass sich der sonst mit großer Gemütsruhe ausgestattete Saftig „zuletzt ein wenig gereizt“ fühlte: „Du gewinnst 5:1 gegen Aachen und holst in Dortmund ein 1:1, aber alle reden über den Trainer. Die Diskussionen sind in einem Bereich angekommen, da kann man sich nur wundern.“ Dabei dürfen sich die Macher bei der Arminia, die heute Hertha BSC empfängt, über den Ist-Zustand nicht beklagen, denn es ist mitnichten so, dass die Medienschaffenden sich zu einem Komplott zusammengerauft hätten. Vielmehr erscheinen die Probleme hausgemacht. Schließlich haben Saftig, Kentsch und Schwick zuletzt mit ostwestfälischer Sturheit geschwiegen, wenn es um die Zukunft des Verantwortlichen für den Bielefelder Aufschwung ging und stattdessen beharrlich auf die Winterpause verwiesen. Erst dann und keinen Tag vorher, so die offizielle Sprachregelung, werde über eine Verlängerung des im Sommer 2007 auslaufenden Vertrages gesprochen.

Der Hinweis von Präsident Schwick, von Heesen möge doch erst einmal seine Trainerschein-Prüfung bestehen, trug auch nicht dazu bei, die Lage zu beruhigen. In Dortmund wurde der Trainer von den mitgereisten Fans lautstark gefeiert, zudem erhöhte Kapitän Mathias Hain im Namen der Mannschaft den Druck auf die handelnden Personen. „Er ist das Herz dieser Mannschaft“, sagte der Torhüter, als er auf von Heesen angesprochen wurde, „wir alle wollen, dass er bleibt. Alles andere wäre naiv und dumm.“ Hain wird gegen Hertha möglicherweise wegen einer Grippe fehlen, ebenso wie Ersatztorwart Marc Ziegler.

Die Bielefelder Chefetage hat Anfang der Woche verkündet, nun doch zeitnah Gespräche mit von Heesen aufzunehmen. „Vielleicht machen wir noch was vor der Winterpause. Das schließe ich nicht aus“, hat Saftig im „Kicker“ gesagt. Von Umfallen will der Geschäftsführer in diesem Zusammenhang nicht sprechen: „Was heißt hier Meinungsumschwung? Wir wollten ihn immer behalten und verhandeln jetzt halt ein bisschen früher.“ Im Übrigen sei es sowieso kaum möglich, von Heesen zu halten, wenn sein erstaunliches Wirken außerhalb des Teutoburger Waldes Begehrlichkeiten weckt.

Zuletzt war das bei Uwe Rapolder der Fall, der nach Köln weiterzog, obwohl er seinen Vertrag in Bielefeld im Winter verlängert hatte. „Wenn ein Trainer wechseln will, hast du als Verein keine Chance. Damit müssen vor allem wir als Arminia Bielefeld leben“, sagt Saftig. Wie immer die Personalie von Heesen ausgehen mag, vorerst wird er sein kreatives Potential seinem momentanen Arbeitgeber zur Verfügung stellen. Von Heesen war in Dortmund trotz der über weite Strecken ansehnlichen Vorstellung nicht ganz glücklich mit dem Auftreten seiner Mannschaft, weil er sich mehr Souveränität gewünscht hätte. „Du musst deine Situationen auch mal ausspielen, wenn du führst“, dozierte er: „So wie früher beim HSV, patsch, patsch, patsch.“ Allein der Vergleich mit den ehemals so glorreichen Hanseaten, mit denen von Heesen Deutscher Meister, Pokalsieger und Europapokalsieger der Landesmeister geworden war, illustriert das neue Selbstverständnis beim ewigen Underdog.

Die Bielefelder haben gute Aussichten, ihre neu gewonnene Stärke gegen Hertha erneut unter Beweis zu stellen. In der vergangenen Saison gab es ein 3:0. Zudem hat die Arminia die letzten vier Heimspiele gewonnen, so dass Saftig „in aller Bescheidenheit von günstigen Voraussetzungen“ spricht.

Wenn da nicht die unerquicklichen Debatten um den Trainer wären. In der ostwestfälischen Provinz sind sie über bundesweite Medienpräsenz normalerweise zwar froh, „doch auf solche PR wie zuletzt kann ich gut verzichten“, sagt Saftig. „Ich bin froh, wenn bei uns wieder Ruhe einkehrt.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar