Sport : Gute, alte Taktik

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Michael Rosentritt erklärt, warum Völlers Aufgebot plausibel ist Hat denn Rudi Völler nicht zugehört? Der neue Bundespräsident Horst Köhler hat doch gerade neue Ideen verlangt. Und was macht Völler? Wie sehnsüchtig haben wir jetzt auf ein Signal vom wichtigsten Teamchef des Landes gewartet. Wir wollten neue Namen hören. Nach dem Debakel von Bukarest schien die anstehende EM der geeignete Zeitpunkt für radikale Lösungen. Hätte der Teamchef die müden Versager, die Rumpelfußballer, die sich willenlos haben „abschlachten lassen“ (Völler), nicht einfach rauswerfen können, ja müssen? Raus mit den Kahns und Jeremies’. Weg mit den Nowotnys und Bobics. Wir wollten Hildebrand sehen, den Dribbler Schweinsteiger und Kölns Knipser Podolski. Vielleicht wären wir dann mit fliegenden Fahnen untergegangen. Aber wir hätten uns wieder etwas getraut. Und schöner ausgesehen hätte es vermutlich auch.

Aber nein, Rudi Völler setzt auf Tradition, wie auch alle seine Vorgänger. Kontinuität statt Risiko. Und sehr wahrscheinlich liegt der Teamchef damit richtig. Eine Europameisterschaft ist kein Trainingslager oder Experimentierfeld für 18 und 19-jährige Talente. In Hinkel, Kuranyi und Lahm stehen schon genug unerfahrene Profis im Team. Die lassen sich in ein gewachsenes Team einbauen und führen. Vor allem aber bleibt Völler sich selbst treu. Auch nach der desaströsen Europameisterschaft 2000 hat Völler zu seinem Amtsantritt keine personellen Konsequenzen gezogen. Die, die ihm das damals vorwarfen, feierten ihn nur zwei Jahre später bei der Weltmeisterschaft genau dafür.

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