Sport : Gute Laune auf Widerruf

Herthas Euphorie wird auf eine harte Probe gestellt – Trainer Meyer sortiert zehn Spieler aus

Stefan Hermanns

Maspalomas. Es kann nicht schaden, wenn Hans Meyer die Fußballer von Hertha BSC gelegentlich daran erinnert, was für sie in den nächsten vier Monaten auf dem Spiel steht. „Bremen, 89. Minute!“, hat Herthas Trainer einmal während einer Übungseinheit gerufen. Angriff spielt gegen Abwehr. „Es steht 0:0.“ Konzentriert euch gefälligst, soll das heißen. Pal Dardai hat den Ball am Fuß, läuft durchs Mittelfeld, spielt nach rechts, und der Ball rollt – ins Aus.

Elf Tage sind es noch, bis für Hertha beim Herbstmeister Werder Bremen die Rückrunde der Fußball-Bundesliga beginnt. Nur elf Tage, könnte man auch sagen, denn noch immer gibt es genügend Momente, in denen Hans Meyer Grund hätte, daran zu zweifeln, dass mit dieser Mannschaft der Abstieg zu verhindern ist. Auch nach dem dritten Testspiel gegen die chinesische Olympia-Auswahl hat der neue Trainer nicht mehr als „ein paar gute Ansätze“ gesehen. In Herthas misslicher Situation ist das ein bisschen dürftig. „Mir macht noch eine ganze Menge Kopfzerbrechen“, sagt Meyer.

Irgendwann am Ende der vergangenen Woche ist der Ton im Training ein bisschen schärfer geworden. Am meisten regt es Meyer auf, wenn die grundlegenden Dinge nicht funktionieren: das Verhalten bei Doppelpässen, die Laufwege, die Kommunikation untereinander. „Ihr beschäftigt euch zu viel mit nebensächlichen Dingen“, sagt er.

In solchen Augenblicken zeigt sich, dass die gute Stimmung, die bei Hertha mit dem neuen Trainer eingekehrt ist, auf einem sportlich wackligen Fundament steht. Bisher hat es noch keine Konflikte gegeben, erst am Ende dieser Woche wird es die erste wirkliche Prüfung für die neue Harmonie geben: Vor dem letzten Testspiel, am Samstag beim Karlsruher SC, wird Meyer den Kader von 28 auf 18 Spieler reduzieren. Das heißt: Zehn Spieler werden spätestens am Freitag wissen, dass sie so gut wie keine Chance haben, sich in Meyers so genannter Basis wieder zu finden.

Herthas Manager Dieter Hoeneß hält das für „eine völlig übliche Situation“. Doch von einem Tag auf den anderen wird es zehn unzufriedene Spieler in Herthas Kader geben. Dass sich unter den Unberücksichtigten auch einige prominente Namen finden könnten, macht die Situation noch ein wenig brisanter.

Nationalspieler Michael Hartmann wird wohl nicht zu den ersten 18 gehören, obwohl er noch die vage Hoffnung hegt, sich in der Bundesliga für die Europameisterschaft zu empfehlen. Bei Andreas Neuendorf, dessen Vertrag im Sommer ausläuft, dürfte es ähnlich sein. In den bisherigen drei Testspielen stand Neuendorf gerade 42 Minuten lang auf dem Platz. Und selbst zwei der drei Neuen, Niko Kovac und Artur Wichniarek, könnten in Bremen außen vor bleiben.

„Ich enge gern ein“, hat Meyer schon vor dem Trainingslager gesagt, diesen notwendigen Prozess dann aber so weit wie möglich hinausgezögert. Bei allen Spielformen im Training hat er die Gruppen so zusammengestellt, dass nicht der kleinste Hinweis auf mögliche Präferenzen zu gewinnen war. Und wenn die Journalisten nach Personen oder Positionen gefragt haben, hat Meyer nur geantwortet: „Könnt ihr vergessen.“

Trotz aller Vorsicht hat Herthas Trainer festgestellt, dass Michael Hartmann „schon böse geschaut hat“, weil er in den ersten beiden Testspielen nicht in der Anfangself stand. „Das hat mich animiert, ihn gegen die Chinesen spielen zu lassen.“ Die Begegnung hatte in erster Linie den Zweck, die latent Unzufriedenen ein wenig zu beruhigen. Heute gegen den Zweitligisten Las Palmas (22 Uhr, live in TV Berlin) wird Herthas Mannschaft schon sehr viel stärker der ähneln, die auch in Bremen aufs Feld läuft.

Die Entscheidung, ob bis dahin noch ein neuer Spieler für die offensive rechte Seite geholt wird, soll in den nächsten Tagen fallen. Auf Gran Canaria hat Manager Hoeneß die Gelegenheit genutzt, um beim Präsidium von Sparta Prag anzufragen, ob ein Transfer von Karel Poborsky machbar sei. Die Antwort lautete: nein. Gestern wurde Hoeneß der türkische Nationalspieler Hasan Sas von Galatasaray Istanbul angeboten. „Ein guter Mann“, sagt Hoeneß, „allerdings ein Linksfuß.“ Für Hertha ist er damit uninteressant.

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