Sport : Gute Nacht, Bayer

von

Neulich haben die beiden Chefs der Fußballfirma Bayer Leverkusen, Wolfgang Holzhäuser und Rudi Völler, ein paar Gespräche im Hintergrund mit Leuten vom DFB geführt. Es müsse doch irgendwie möglich sein, ihrem Klubspieler Michael Ballack einen halbwegs würdigen Abschied aus der Nationalmannschaft zu verschaffen. Ballack tat dies als private Angelegenheit der beiden ab, könnte beim DFB ja nach Bettelei aussehen. Was ihm, dem 98-maligen Nationalspieler, nie in den Sinn käme, bei dieser Vorgeschichte und so. Holzhäuser und Völler waren beleidigt.

Das muss man wissen, um den jetzigen Ärger in Leverkusen zu verstehen. Holzhäuser hat das zwölf Millionen Euro schwere Ballack-Projekt für gescheitert erklärt. Die Erwartungen an den seinerzeit prominentesten Spieler des deutschen Fußballs hätten sich nicht erfüllt.

Wie aber, bitteschön, ist man der Idee aufgesessen, ein angeschlagener Ballack könne Leverkusen in zwei Jahren zu Titeln führen? Haben sie in Leverkusen damals geschlafen oder nur geträumt?

Ballack hatte sich im Mai 2010 so schwer verletzt, dass er die WM verpasste. In dieser Phase witterten Holzhäuser und Völler ihre Chance, und erbettelten sich Ballacks Ja-Wort. Sie glaubten, in Ballack den Anführer für ihr junges, ambitioniertes Team gefunden zu haben. Ballack sagte Ja zu Leverkusen, weil er glaubte, so noch die EM 2012 spielen zu können. Über beide Ziele flog die Zeit hinweg. Ballack fiel noch ein halbes Jahr aus, seine Nachfolger in der Nationalelf machten ihn verzichtbar. Und Leverkusen wurde im vorigen Jahr wieder mal nur Vizemeister.

Sich aber jetzt in Leverkusen hinzustellen und auf Ballack zu zeigen, ist noch schwächer, als Ballack in einem schwachen Moment zu überreden.

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben