Sport : Gutes Geleit

Mainz steigt ab – mit Trainer Klopp

Daniel Meuren

Mainz - Als die Mainzer Fans ihre soeben trotz des 3:0-Siegs gegen Borussia Mönchengladbach abgestiegene Mannschaft zur zweiten Ehrenrunde bewegt hatten, hielt einer von ihnen ein Transparent in die Höhe. „Es war eine geile Zeit“, stand auf der Pappe. Diese Wortwahl hatte gleich zwei Bedeutungen: Zum einen erinnerte sie an jene unbeschwerten Tage, in denen Trainer Jürgen Klopp nach dem Aufstieg 2004 Woche für Woche das Wort „geil“ in die Mikrofone geschrien hatte. Zum anderen zeigte die Vergangenheit, dass es nun zu Ende ist mit der besonderen Zeit: Drei Jahre Bundesliga sind am nächsten Spieltag vorbei.

Die Mainzer blicken daher erst einmal zurück. Auf die Zeit, als Klopp seinem Klub das Etikett der „Spaßfußballer“ erarbeitete, das Mainz 05 zu einem Farbtupfer im Ligaalltag werden ließ. Dabei ist es nicht geblieben. Vor allem Klopp ist in den drei Jahren Bundesliga ernster geworden. In dieser Saison vermied der zum Fernsehstar aufgestiegene 39 Jahre alte Fußballlehrer das Wort „geil“, so gut es ging. Parallel zum sprachlichen Reifeprozess ihres Vorgesetzten haben die Fußballspieler indes auch ihre Unbeschwertheit verloren. In dieser Saison zeigten sie lediglich während der Aufholjagd zu Rückrundenbeginn ihren Lustfußball, sonst quälten sie sich fast wehrlos der Zweitklassigkeit entgegen.

In die Melancholie mischte sich deshalb die Furcht, dass die schönen Tage in der Erstklassigkeit so schnell nicht wiederkommen, auch wenn Klopp in einer ebenso emotionalen wie ungewöhnlichen Ansprache an die Fans den rosaroten Panther mit den Worten zitierte: „Wir kommen wieder, keine Frage.“

Eine starke Zweite Bundesliga dürfte den Mainzern die sofortige Rückkehr erschweren. Zudem drohen die Abgänge von Leistungsträgern wie Manuel Friedrich, Leon Andreasen und vor allem Mohamed Zidan. Immerhin erwägen sie aber noch, ihre persönlichen Ambitionen für ein Jahr hintan zu stellen. Bei Friedrich, der als Mainzer Eigengewächs besonders unter dem Abstieg leidet, wäre indes bei einem Verbleib die EM-Teilnahme im kommenden Jahr in Gefahr.

So ist den Mainzern vorläufig nur ein Hoffnungsträger sicher: Jürgen Klopp hat sich gegen jede vernünftige Karriereplanung dazu entschlossen, seine Mannschaft nach unten zu begleiten, statt nach 17 Jahren als Spieler und Trainer von Mainz 05 während einer Auszeit bis zu den ersten Trainerentlassungen im Herbst auf ein attraktives Jobangebot zu warten. „Jetzt wäre es eine äußerst ungünstige Situation, diese Verbindung zu beenden“, sagte Klopp. Euphorisch, gar nach einer neuen geilen Zeit klang das nicht gerade.

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