Sport : Gutes Recht, gute Pflicht

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Basisdemokratie ist eine prima Sache. Auch und immer mehr in bürgerlichen Kreisen, seitdem die nicht eben als linke Revoluzzer verschrienen Schwaben auf dem Weg der Bürgerbeteiligung für den Stuttgarter Hauptbahnhof streiten. Im Fußball tun sich die bürgerlichen Anarchisten noch ein bisschen schwer. Die Avantgarde spielt in Berlin: in Westend, unterm Funkturm, wo Hertha BSC am Dienstag die Klubmitglieder entscheiden lassen will, ob und wie es weitergehen soll im Kampf gegen die Obrigkeit.

Das ist sehr bequem gedacht und auch nicht ganz fair. Den sportlichen Niedergang hat nicht die Ostkurve zu verantworten. Manager Michael Preetz und Präsident Werner Gegenbauer verwahren sich mit Verweis auf allgemeine Geschäftsprinzipien gegen jede Einflussnahme von außen. Gegenbauer beharrt zu  Recht darauf, sich die Besetzung des Managerpostens nicht von Dritten vorschreiben zu lassen. Und Preetz hat gute Argumente auf seiner Seite für das Privileg, Trainer und Spieler der von ihm verantworteten Profimannschaft selbst auszuwählen.

Genauso wenig können Klub- und Geschäftsführung nun die Verantwortung für den unangenehmen Teil des Geschäfts delegieren. Eine Verantwortung, die weitreichender ist, als es sich mancher Fan vorstellen mag. Auf dem Spiel steht nicht nur die allgemeine Planungssicherheit für den Spielbetrieb des bezahlten Fußballs in Deutschland. Sondern auch Herthas Reputation als verantwortungsbewusster Teil dieses Spielbetriebs für eine noch gar nicht absehbare Zukunft.

Hertha hat innerhalb einer Woche zweimal vor Gericht für die Annullierung eines sportlich vollzogenen Abstiegs gestritten. Dieser Weg durch die Verbandsinstanzen war das gute Recht des Klubs. So, wie es jetzt seine gute Pflicht ist, die Entscheidung der Gerichte zu akzeptieren. Diese Verantwortung wiegt schwer. Sie wahrzunehmen tut weh – und darf gerade deshalb nicht delegiert werden.

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