Sport : Haarscharf verloren

Zabel scheitert bei der Straßen-WM am Spanier Freire und wird wieder nur Zweiter

Hartmut Scherzer[Verona]

Es war wieder überaus spannend. Aber Erik Zabel kam im Schlussspurt an Oscar Freire nicht vorbei. Silber also für den Berliner Radprofi bei der Straßen-WM in Verona. Der 28-Jährige Spanier Freire wurde nach 1999 und 2002 zum dritten Mal Weltmeister. Wie der große Eddy Merckx. Auf der gleichen Zielstrecke, dem Corso Porta Nuova, hatte Freire vor fünf Jahren zum ersten Mal einen WM-Titel gewonnen. Damals war der Spanier völlig unbekannt. „Vor fünf Jahren war es selbst für mich eine große Überraschung“, sagte der Profi. „Diesmal war ich selbstbewusst, hatte mich bestens vorbereitet und hatte vor allem eine sehr starke Mannschaft.“

Zweiter, zum 18.Mal – das ist Erik Zabels Schicksal in dieser Saison. Die etwas ärgerliche Serie hatte beim Frühjahrsklassiker Mailand-San Remo begonnen, wo der T-Mobile-Star den schon sicheren Sieg noch an Freire verschenkt hatte. „Die Silbermedaille hat eben zwei Seiten. Doch die glückliche übertrifft die traurige“, sagte Zabel.

Beim packenden WM-Finale (ohne den großen Favoriten Paolo Bettini) nach 265 Kilometern und fast sieben Stunden sah es lange gut aus für die Deutschen. An Veronas Hausberg Torricelle mit seinem 3,3 Kilometer langen Anstieg von 5,1 Steigungsprozenten waren die Sprinter nicht zurückgefallen. Beim Schlussspurt waren noch vier deutsche Fahrer vertreten. Danilo Hondo wurde 14., Steffen Wesemann 18., und Matthias Kessler belegte den 19. Platz. Hondo hatte selbstlos für Zabel den Spurt angezogen, „weil ich der bessere Anfahrer bin“. Ein kurzer Wortwechsel, ein Blick, „und die Sache war geritzt“, sagte Zabel.

Nur: Freire hatte in Alejandro Valverde ebenfalls einen exzellenten Partner. Und der arbeitete perfekt für seinen Landsmann Freire. Zabel kam nicht vorbei. Dritter wurde Luca Paolini, der damit die Ehre der Italiener rettete, nachdem Paolo Bettini hatte aufgeben müssen.

Dem Favoriten Bettini bereiteten Beschwerden am rechten Knie große Probleme. Erst mit einer Sprühdose, dann mit einem Eisbeutel behandelte er während der Fahrt die Schmerzen. Mehrere Helfer waren immer bei ihm. Trotzdem machten die Italiener vorne auch noch Tempo, immerhin mussten sie vier Runden vor Schluss einen Zwei-Minuten-Rückstand gegenüber einem Spitzenquintett aufholen. Schließlich hatte Italien mit dem Lokalmatador und Giro-Sieger Damiano Cunego einen zweiten Favoriten im Rennen.

Dann das Drama beim viertletzten Anstieg auf den Torricelle: Bettini ließ sich zurückfallen und teilte dem Fernsehreporter auf dem Motorrad seine Aufgabe zum Ende der 15. Runde mit. Und er erzählte den Grund für seine Probleme: Nach einem Vorderradwechsel in der zwölften Runde sei er mit dem Knie gegen die Tür des Autos von Teamchef Franco Ballerini gestoßen. Rennfahrerpech.

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