Sport : Haas enttäuscht gegen Pioline

Jörg Allmeroth

Beim Tennisprofi Thomas Haas geht es immer schrill, schnell und ein bisschen hektisch zu. Fünf Minuten an einem Platz zu verharren, ist einem Zappelphilipp wie ihm "ein Greuel". Er sei ein "unruhiger Geist", sagt Haas selbst, "ich muss mich immer mit tausend Sachen beschäftigen." Doch der Ferrari-Fahrer, der "besonderen Thrill empfindet", wenn er mit Tempo 240 über eine deutsche Autobahn braust und insgeheim immer "auf meinen Schutzengel da oben hofft", fährt im Tennis nicht immer auf der Überholspur.

In der Eile verliert der Nachwuchsstar allzu oft den Blick fürs Wesentliche. Eher beängstigend fix war das Tempo, mit dem der unkonzentrierte Haas am späten Dienstagabend sein US Open-Achtelfinalspiel gegen den Franzosen Cedric Pioline mit 4:6, 5:7 und 3:6 verlor. Während Pioline in dem nur zwei Stunden dauernden Duell auf dem Betonboden des Arthur-Ashe-Stadion in den genau richtigen Momenten Fahrt aufnahm, beschleunigte der rast- und ruhelose Haas mit seinen überstürzten Aktionen eine unnötige Talfahrt.

Sein Schützling, unentwegt mit sich, dem böigen Wind und der Tenniswelt hadernd, habe sich von Pioline "völlig unter Wert schlagen lassen", mäkelte Trainer Nick Bollettieri. Den für kommenden Montag so gut wie feststehenden Sprung unter die Top Ten (Ausnahme: Pioline erreicht das US Open-Finale) flankierte Haas ausgerechnet mit dem enttäuschendsten Auftritt der letzten Wochen.

Am Ende des Trauerspiels brachte Haas seine Konfusion selbst auf den Punkt. Der vom braven Pioline überrollte Haas ließ sich von einem Balljungen Ohrenstöpsel bringen, um sich gegen den Lärm überfliegender Flugzeuge zu schützen: Damit hatte der Münchner endgültig den Sound und den Rhythmus des Spiels aus dem Sinn verloren und wirkte wie ein Fremdling in der 24 000-Zuschauer-Arena. "Bei diesem Krach und diesem Wind wäre ich beinahe durchgedreht", meinte Haas zu seiner Entschuldigung, "ich mußte einfach irgendetwas zu tun." Hoffentlich hat Haas zum Stressabbau genügend Ohrenstöpsel im Gepäck, wenn er sich Ende Spetember auf die Reise nach Bukarest begibt, zum Davis-Cup-Match gegen Rumänien: 8000 frenetisch laute Bukarester können mehr Krach machen als ein paar Jets über dem Himmel von New York.

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