Sport : Haas läuft, Rios ist schon da

JÖRG ALLMEROTH

HAMBURG .Marcelo Rios hat den Vormarsch von Thomas Haas bei den German Open souverän gestoppt: Mit spielerischer Leichtigkeit und einem Feuerwerk brillanter Siegpunkte entzauberte der Chilene die letzte deutsche Hoffnung beim hochkarätigsten nationalen Tennis-Meeting am Hamburger Rothenbaum.Nach nur 77 Minuten und einem ungefährdeten 6:4, 6:4-Erfolg des Weltranglistenachten war der flüchtige Viertelfinal-Auftritt von Haas auch schon wieder vorbei."Ich habe das Spiel diktiert, aber er hat die wichtigen Punkte erzielt", erklärte Haas nach der Lehrstunde vor 12 000 Zuschauern.Wie sich später herausstellte, war Haas nicht hundertprozentig fit: Wegen einer Sehnenreizung im Schultergelenk wird er in der nächsten Woche nicht beim Turnier in Rom antreten.

Sieger Rios trifft heute in der Vorschlußrunde auf den Spanier Carlos Moya, der klar Gustavo Kuerten (Brasilien) mit 6:0 und 6:2 ausgeschaltet hatte.Der Chilene war für den verzweifelt fightenden Haas der erwartet übermächtige Gegner.Scheinbar ohne Mühe und Kraftanstrengung beherrschte der launische "Bad Boy" der Szene einen spannungsvoll erwarteten Zweikampf, in dem Haas sich zwar ein drittes Mal im Verlauf dieser German Open steigerte, aber letztlich ohne wirkliche Siegmöglichkeit blieb.Rios ließ mit beinahe arroganter Attitüde Ball und Gegner laufen, da half auch alle Leidenschaft und aller Einsatzwille des Deutschen nichts.Selbst einen Schwächemoment von Rios Anfang des zweiten Satzes konnte Haas nicht nutzen.Binnen weniger Minuten büßte der Bolletieri-Schützling einen mutmachenden 4:1-Vorsprung ein und verließ nach dem 4:6 entnervt die Arena.Dennoch wollte Haas später von einem überlegenen Auftritt seines Gegenspielers nicht wissen: "Es war total knapp, ich muß mich nicht vor ihm verstecken."

Um sich den "großen Traum" eines German-Open-Sieges erfüllen zu können, braucht Haas aber noch größere Ausdauer und Geduld bei der mühseligen Sandplatz-Tortur."Er hat sein Spiel noch nicht wirklich den Bedingungen auf Ascheplätzen angepaßt", sagt ein Experte wie Günter Bosch.Haas wolle häufig "zu früh zu viel", sagt Trainer David Ayme, "deshalb ist seine Fehlerquote einfach zu hoch".Auch bei den French Open dürfe man wohl nicht auf ein "absolutes Topergebnis hoffen", meint Ayme.

Rund um das Viertelfinal-Spiel des deutschen Tennis-Branchenführers Haas gingen die Bemühungen seines Managements und seiner Familie weiter, die Irritationen um vorgebliche Davis-Cup-Prämienforderungen zu zerstreuen."An diesen Meldungen ist kein Körnchen Wahrheit dran", erklärte Vater Peter Haas im Gespräch mit dieser Zeitung, "Tommy wird in den nächsten Jahren für Deutschland spielen - und zwar ohne jede Bedingungen".Man habe dem Verband zu keiner Zeit einen Boykott angedroht.

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