Sport : Haas scheitert in Stuttgart und schreibt WM beinahe ab

Jörg Allmeroth

Nach einer 4:6, 3:6-Niederlage gegen den Gewaltaufschläger Greg Rusedski ist dem kranken und müden Thomas Haas die Lust aufs Tennis vergangen: "Ich muss mir schwer überlegen, ob ich in diesem Jahr noch zu weiteren Turnieren antrete", sagte der 21-jährige Deutsche am Ende eines frustrierenden Arbeitstages beim millionenschweren Stuttgarter ATP-Wettbewerb. Die vage Aussicht auf eine WM-Teilnahme in Hannover vom 23. bis 28. November löschte der Weltranglisten-Dreizehnte selbst aus: "Die Weltmeisterschaft ist nicht das Wichtigste für mich. Wichtiger ist, dass ich gesund bleibe und nicht meine Gesundheit ruiniere", sagte Achtelfinal-Verlierer Haas.

Bei einer Blutuntersuchung in der Bad Cannstätter Sportklinik war in den vergangenen Tagen ein noch unbekannter Virus festgestellt worden, der offenbar zu der unerklärlichen Schwäche und Ermüdung von Haas führte. Haas hat im Vorfeld des WM-Championats noch für das Super-Neun-Turnier in der kommenden Woche in Paris-Bercy und für den Wettbewerb in Stockholm (ab 8. November) gemeldet. Der in der laufenden Hallensaion niemals in Schwung gekommene Haas sagte, er werde die weitere Planung mit seinem Trainer David Ayme und seinem Vater Peter Haas abstimmen.

Das bisher gute Abschneiden von typischen Hallenspezialisten wie Greg Rusedski und Richard Krajicek verringerte sen ohnehin die Qualifikations-Aussichten für den gebürtigen Hamburger, der letztmals so richtig beim Grand Slam Cup in der Münchner Olympiahalle überzeugte. Den Erschöpfungszustand im Spätherbst hat Haas auch seinen guten Taten in dieser Spielzeit 1999 zu verdanken: Die unerwartet lange Beschäftigung und die hohe Zahl von Spielen bei seinen Turnier-Engagements haben Haas am Ende einer erfreulichen Saison zermürbt.

"Ich bin ziemlich platt", sagte der Himmelsstürmer, der Anfang Oktober in der ATP-Weltrangliste sogar erstmals unter den besten Zehn eingestuft war. Zusätzliches Profil gewann Haas durch seine erfolgreichen Einsätze im Dienste der deutschen Tennis-Nationalmannschaft, die er mit dem doppelten Einzelsieg im Relegationsmatch Ende September in Rumänien krönte. Im nächsten Jahr müsse er seine Turnierauftritte nun aber noch genauer und zielorientierter planen, sagte Haas, der seine Konzentration vornehmlich auf die Grand-Slam-Turniere und die Super-Neun-Serie richten will.

Gegen "Deutschland-Schreck" Greg Rusedski, der jüngst nicht nur Haas in München, sondern auch schon Kiefer in Wien den Spaß verdorben hatte, stand der letzte DTB-Mohikaner in der Schleyer-Halle auf verlorenem Posten. Im ersten Satz gelang dem 21-Jährigen kein einziger Punkt gegen den Aufschlag des Engländers, der alle Servicespiele konsequent zu Null gewann. "Im Moment ist er der gefährlichste Hallenspieler der Welt", sagte der konsternierte Haas, "da kann man nur hoffen, dass er irgendwann seine Präzision verliert."

In Stuttgart war diese Erwartung vergebens. Rusedski punktete nach dem 6:4 in Satz eins auch im zweiten Durchgang pausenlos mit seinen wuchtigen und genau gesteuerten Aufschlägen. Mit dem ersten Service erreichte der Engländer insgesamt eine Gewinnquote von 90 Prozent. Auf der Gegenseite fehlten dem gesundheitlich angegriffenen Haas die Leidenschaft und die Kraft, um sich gegen das Aufschlag-Gewitter Rusedskis zu stemmen. Nur Mitte des zweiten Satzes hatte Haas bei 30:0 in einem Servicespiel von Rusedski den Hauch einer potenziellen Breakchance. Doch nach einer Stunde und 16 Minuten war schließlich mit dem 3:6-Satzverlust alles vorbei für Haas.

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