Sport : Haching hat, was Bayern fehlt und setzt im Lokalderby auf den Sportpark

Benedikt Voigt

Der Fußballfreund mit dem rot-weißen Schal staunte nicht schlecht, als er das erste Mal am Kassenhäuschen des Sportpark Unterhaching stand. Er hatte zwar problemlos den Weg von der S-Bahn-Station Fasanengarten entlang der Schienen durch die Schrebergärten mit dem entzückenden Teich gefunden. Doch als er die wenige Fans der SpVgg Unterhaching sah, musste er per Handy einem Freund in der Heimat davon berichten. "Mensch Klaus, ich weiß den ruhigen Job für dich", rief der Kölner in sein Handtelephon, "Kartenverkäufer bei der SpVgg Unterhaching."

Das war in der letzten Saison. Inzwischen würde es kein auswärtiger Fan mehr wagen, Witzchen über das Unterhachinger Fußballstadion und seine Fans zu reißen. Im Gegenteil, die Heimstätte des Bundesliga-Aufsteigers reißt Fußballfreunden und Trainer in der ganzen Republik zu ehrfürchtigen Respektsbekundungen hin. "Warum sollen ausgerechnet wir die Ersten sein, die hier gewinnen", sagte Trainer Felix Magath am vergangenen Sonntag nach der 0:1-Niederlage gegen Unterhaching. Seit August 1998, als Unterhaching gegen Bielefeld 0:2 unterlag, holte kein Verein mehr drei Punkte im 20 000-Einwohner-Ort des Landkreis München. Und heute soll sogar dem großen FC Bayern München im Sportpark die Punkte abgeknöpft werden.

Das hatte sich der Verein vor der Saison anders geplant. Für die Lokalderbys gegen den FC Bayern und 1860 München hatte Unterhaching ins Münchner Olympiastadion umziehen wollen, was bei einem kalkulierten Zuschauerschnitt von 35 000 pro Spiel eine Einnahme von je einer Million gebracht hätte. Doch im Januar hatte sich die Klub-Führung eines besseren besonnen. Alle Heimspiele sollen nun im 10 000 Zuschauer fassenden Sportpark ausgetragen werden. "Das ist keine Entscheidung gegen Bayern oder 1860", betonte Vereinspräsident Engelbert Kupka, "das ist eine Entscheidung für Unterhaching." Trainer Lorenz-Günter Köstner hatte sich mit seiner Auffassung durchgesetzt, der aus sportlichen Gründen im Sportpark bleiben wollte. Oftmals verweist Köstner auf das Schicksal des 1. FC Nürnberg, der in der vergangenen Spielzeit nur aufgrund des schlechteren Torverhältnisses abgestiegen war. Und Toreschießen kann Unterhaching immer noch am besten im Sportpark.

Das leuchtete auch dem schillernden Hauptsponsor Erich Lejeune ein. Der Vorstandsvorsitzende einer Computerfirma entschädigt Unterhaching für die finanziellen Einbußen mit einem Zuschuss von 500 000 Mark. Lejeune kam als Glücksfall vor dieser Saison über die SpVgg Unterhaching. Der Buchautor von Werken wie "Lebe ehrlich - werde reich" und Moderator einer eigenen Fernsehsendung unterstützt den Verein mit vier Millionen in dieser Saison. Bis dahin hatte ein örtlicher Senfproduzent, eine Brauerei oder überhaupt kein Geldgeber das Unterhachinger Trikot geziert.

Gegen den FC Bayern wird das Stadion natürlich wieder ausverkauft sein. Viele Bayern-Fans, die im Olympiastadion noch Einlass gefunden hätten, müssen jedoch draußen bleiben, was schon für einigen Ärger gesorgt hat. Noch schlimmer ist, dass sie nun auch noch von Unterhachinger Anhänger gehänselt werden: "Wir haben ein Stadion und ihr nicht!"

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