Sport : Häkkinen startet neunten Versuch

Hartmut Moheit

In Silverstone bisher acht Rennen ohne Erfolg für den Weltmeister aus FinnlandHartmut Moheit

Formel-1-Boss Bernie Ecclestone hatte sich zu Saisonbeginn festgelegt, welche Schlagzeilen er sich in diesem Jahr wünschen würde. "Michael Schumacher Weltmeister mit Ferrari" war die eine, die andere betraf seine Person: "Bernie Ecclestone am 31. Dezember 2000 noch am Leben." Es deutet einiges darauf hin, dass die Wünsche des 69 Jahre alten Engländers in Erfüllung gehen könnten. Mit der Gesundheit des "Workaholic" ging es nach einer Bypassoperation im Vorjahr wieder aufwärts. Und im Titelkampf stehen die Ampeln nach drei Siegen des deutschen Stars in drei Rennen ebenfalls auf Grün. Was folgt, das ist der Grand Prix in Silverstone, wo auf die 22 Fahrer in elf Teams mit den Abbey-, Stowe- und Clubkurven echte Klassiker der Formel-1-Geschichte warten. Damit ist der Kurs in der Region Northamptonshire nichts für Männer wie Jenson Button (BMW-Williams), Nick Heidfeld (Prost-Peugeot), Gaston Mazzacane (Minardi-Ford), die sich noch in einer Lernphase befinden, sondern für die Routiniers. "Ich könnte die Strecke mit geschlossenen Augen fahren", sagt Schumachers Teamkollege Rubens Barrichello aus Brasilien. "Wenn du aber die Strecke nicht gut kennst, ist sie sehr schwierig." Extrem schnelle Kurvenkombinationen erfordern viel mehr Mut, Können und Erfahrungen als anderswo. Schon in der ersten Kurve nach dem Start (Copse-Corner) sind über 200 km/h drin. Wer glaubt unter diesen Vorzeichen ernsthaft daran, dass es nicht wieder einen Zweikampf zwischen Ferrari und McLaren-Mercedes gibt.

Michael Schumacher und sein Ferrari-Team geben sich erst gar keine Mühe, die Favoritenrolle zu bestreiten. Es würde ihnen ohnehin niemand abnehmen. "Der Ferrari ist sehr gut. Ich würde sogar sagen, am Wochenende wird er im Qualifying und im Rennen noch besser sein", kündigte Schumacher an. Der Sieger von Melbourne, São Paulo und Imola rechnet sich gute Chancen aus, erstmals seit 21 Jahren den Fahrer-Weltmeistertitel wieder für Ferrari nach Italien zu holen. "Ich gehe davon aus, dass wir mehr Entwicklungspotenzial in der Vorbereitung auf die Saison hatten", verkündete der Wahl-Schweizer bereits vor Wochen.

Besonders gefordert ist damit das Team mit den Silberpfeilen um Weltmeister Mika Häkkinen, für das Silverstone ein Heimspiel ist. Auf der Rennstrecke 120 Kilometer nordwestlich von London haben die McLaren-Mercedes endlose Testkilometer abgespult. Dort soll der erste Erfolg in dieser Saison eingefahren werden, auch wenn Mercedes-Sportchef Norbert Haug meint: "Wir sind nicht so vermessen, einen Doppelsieg zu versprechen." David Coulthard, der Pilot an Häkkinens Seite, äußerte sich ebenfalls zuversichtlich. Er schätzt sich im Vergleich zu Doppel-Weltmeister Michael Schumacher sogar als stärker ein. "Ich bin schneller als Schumi", sagte der 29-jährige Schotte der englischen Zeitung "Daily Mail". "Ich kann ihn abfangen, denn ich habe das schnellste Auto im Feld." Er hoffe darauf, am Sonntag seinen Vorjahreserfolg wiederholen zu können. "Ein Sieg würde mir diesmal mehr bedeuten als letztes Jahr. Es wäre ein großartiges Gefühl, den britischen Grand Prix zwei Mal in Folge zu gewinnen", sagte er.

Unter starkem Druck steht eher Mika Häkkinen. Er will auf dem Weg zum Titel-Hattrick nicht frühzeitig den Anschluss verlieren. Sechs Punkte hat er, 24 weniger als Schumacher. Da muss auch Haug zugeben: "Ein dickeres Polster kann man sich nach drei Rennen kaum wünschen." Silverstone war für Häkkinen bislang aber kein gutes Pflaster. Acht Mal fuhr er dort dem Sieg hinterher. Kein gutes Omen also für den Finnen, mehr schon für die Erfüllung des einen der zwei Wünsche von Bernie Ecclestone.Michael Schumacher im Internet:

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