Sport : Häme und Erleichterung

Leverkusen entlässt Trainer Dutt, Hyypiä und Lewandowski übernehmen.

Jörg Stohschein[Leverkusen]

Als die Pressekonferenz beendet war, hatten sich die Mienen der Leverkusener Verantwortlichen aufgehellt. Es schien, als hätten sie eine von vielen Missverständnissen geprägte Zeit hinter sich gelassen. Die sonntägliche Freistellung von Robin Dutt sollte Signalwirkung an alle haben, die mit Bayer 04 zu tun haben. Das 0:2 gegen den SC Freiburg am Vortag „war ein Auftritt, der von Angst bestimmt war“, sagte Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler.

Vor allem aber hatte das Publikum derart höhnisch auf den Trainer reagiert, wie es das wohl in dieser Form noch nie in der Bundesliga gegeben hatte. „Wir wollen den Trainer sehen“, hatten die Fans voll böser Häme skandiert. Eine Liebe zwischen den Anhängern und dem Trainer hatte es nie gegeben, was zum einen damit zusammenhing, dass Dutt einige der emotional wichtigen Partien wie das Heimspiel gegen Köln oder in Barcelona klar verloren hatte. Zum anderen störte sich nicht nur die Vereinsführung daran, mit welch positiver Grundhaltung Dutt Niederlagen moderierte und Ausflüchte beim seiner Meinung nach qualitativ zu wenig breit aufgestellten Kader suchte. Der 47-Jährige, der zu Saisonbeginn aus Freiburg kam, schien sich nie mit der Erwartungshaltung anfreunden zu können. Die Diskussionen um Michael Ballack und Dutts generalistische Aussagen, welcher Spieler nicht mit einem anderen auf dem Platz stehen könne, sorgten für interne Disharmonien. Die Mischung aus externer und interner Unruhe gepaart mit der Fortsetzung einer sportlichen Krise führten zu der Beurlaubung. Denn die vierte Bundesliga-Niederlage in Folge bringt die sportlichen Ziele in Gefahr. „Wir müssen in die Europa League“, sagte Völler. Die Klubführung hatte lange hinter Dutt gestanden, dessen Verpflichtung sie als langfristiges Projekt angelegt hatte.

Dutt, der bei der offiziellen Verkündung seiner Entlassung dabei sein wollte, „fand die Entscheidung nachvollziehbar“. Kaum hatte Dutt das Podium verlassen, folgten auch schon seine Nachfolger. Ex-Spieler Sami Hyypiä und U-19-Trainer Sascha Lewandowski. Der Finne Hyypiä, der mit den meisten Profis noch gemeinsam gespielt hat, soll als Teamchef den Zugang zu der Mannschaft finden. Lewandowski besitzt die Trainerlizenz. Die Arbeit des neuen Gespanns sei nicht auf das Saisonende begrenzt, deutete Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser an.

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