Sport : Härter als andere

Beachvolleyball-Europameister Brink/Reckermann gleichen mit Strategie ihre körperlichen Mängel aus

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Ihre Spuren im Sand. Jonas Reckermann (links) und Julius Brink demonstrieren vollen Einsatz. Foto: dpa
Ihre Spuren im Sand. Jonas Reckermann (links) und Julius Brink demonstrieren vollen Einsatz. Foto: dpaFoto: AFP

Berlin - Die Sandkörner klebten an ihren verschwitzen Körpern und Trikots. Es hatte geregnet, deshalb war der Sand schwer, deshalb blieb er kleben. Ein gutes Motiv, es symbolisiert besonders gut die Arbeit, die Julius Brink und Jonas Reckermann geleistet hatten. Und jetzt standen sie da, die Fäuste gereckt, der ganze Druck entlud sich in wilden Freudenschreien. Sie waren Europameister im Beach-Volleyball, das war ihre Nachricht. Sie hatten in Kristiansand, Norwegen, im Finale ihre Landsleute Jonathan Edmann/Kay Matysik 2:0 (25:23, 21:19) besiegt. Europameister, zwei Jahre nach ihrem überraschenden WM-Titel in Rom.

„Einfach nur geil“, schrie Brink den Reportern vor Ort zu. „Wir haben endlich wieder Platz eins geholt.“ Ein Satz, der eigentlich alles über Brink/Reckermann sagt. Endlich! Als wäre der WM-Sieg von 2009 Lichtjahre entfernt. Ist er ja auch, genau genommen. Sagte jedenfalls Brink vor der WM 2011 in Rom. Auf hunderten Plakaten wurde dort mit Brink/Reckermann geworben, die Titelverteidiger, die großen Favoriten. Aber Brink sagte dem „Volleyball-Magazin“: „Es gibt für uns dort keinen Titel zu verteidigen, vielmehr gibt es einen neuen zu gewinnen.“

Das hört sich nach Floskel an, aber der aggressive Brink, der Abwehrspieler, und Reckermann, der lange Blockspieler, der eher Ruhige, haben diese Denkweise verinnerlicht, ein paar Prozent mehr als ihre Gegner. Es gibt wenige Teams, die so hart, so analytisch, so zielorientiert arbeiten und trainieren wie die Deutschen. Es ist allein schon den Umständen geschuldet. Brink ist ohnehin relativ klein, und Reckermann gehört als Blockspieler nicht zu den Größten, die beiden müssen ihre körperliche Unterlegenheit mit anderen Mitteln ausgleichen. Oder wie Brink mal sagte: „Was müssen wir heute trainieren, um den anderen morgen voraus zu sein?“ Im Winter haben sie zum Beispiel die Trainingsumfänge vergrößert.

Vor allem aber profitieren sie von der Rückkehr ihres Trainers Jürgen Wagner. Der hatte sie jahrelang begleitet, dann aus beruflichen Gründen aufgehört, und ist jetzt wieder zurück. Wagner ist der Regisseur bei den Auftritten der Deutschen.

Unter Wagners Regie haben sie trotz vorangegangener Verletzungen im Juni bei der WM Platz drei belegt. Vor allem besiegten sie im Achtelfinale grandios die Olympiasieger Todd Rogers/Phil Dalhausser. Jetzt der EM-Titel. Der schiebt Brink/Reckermann endgültig in die Rolle, in der viele Experten sie schon länger sehen: Als Medaillenkandidaten bei Olympia 2012.

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