Sport : Hafenstraße statt Jungfernstieg

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Benedikt Voigt über Toppmöllers Liaison mit dem Hamburger SV

Voller Tatendrang erschien Klaus Toppmöller am Donnerstag beim Hamburger SV und verkündete: „Ich möchte der Mannschaft wieder Leben einhauchen.“ Im ersten Training wollte der neue Übungsleiter des FußballBundesligisten auch gleich mit der Reanimation beginnen. Falls der Kettenraucher tatsächlich fleißig pustet, dürfte der Hamburger SV künftig nach Rauch riechen. Doch das will der Klub offensichtlich auch, er weiß, wen er geholt hat.

Klaus Toppmöller ist ein hemdsärmliger Mensch. Immer noch besitzt er die Salmtal-Schenke im 800 Einwohner-Ort Rivenich an der Mosel, wo er auch wohnt. „Die Kneipe ist mein Rückzugsort“, sagt Toppmöller. Doch das SPD-Mitglied kann auch durchgreifen, und das braucht der Hamburger SV momentan. „Er bringt genau das, was wir bisher vermisst haben: Leidenschaft und Begeisterung“, sagte Hamburgs Vereinsvorsitzender Bernd Hoffmann. Was er nicht mitbringt, ist das internationale Flair, das der Hamburger SV eigentlich in der schmucken AOL-Arena verbreiten wollte. Mit Toppmöllers Verpflichtung verabschiedet sich der Hamburger SV vom Konzept Jungfernstieg. Und rückt wieder näher an die Hafenstraße.

Doch das dürfte nicht das Problem sein, wenn der Trainer in Hamburg die Serie guter Anfänge fortsetzt. Mit Leverkusen erreichte er in der Saison 2001/2002 drei Vizetitel. In Frankfurt formte er 91/92 ein Team, das ebenfalls den Meistertitel anstrebte. Doch langfristig hielt Toppmöller nie das, was er versprach. Das Ende war stets traurig. Mit Frankfurt verspielte er die Meisterschaft am letzten Spieltag, und in Leverkusen entwickelte sich unter Toppmöller sogar ein Abstiegsdrama. Der Hamburger SV verpflichtete ihn bis zum 30. Juni 2005. Wenn das mal nicht zu lange ist.

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