Sport : Halb sank er hin

Lutz Michael Fröhlich

Es läuft die Schlussphase der Begegnung zwischen dem VfL Bochum und Schalke 04. Schalke liegt 1:2 zurück und versucht noch einmal alles. Der brasilianische Spielmacher Lincoln kommt im Strafraum zu Fall, Bochums Anthar Yahia hat den Schalker am Bein getroffen. Schiedsrichter Knut Kircher lässt das Spiel weiterlaufen. Lincoln gilt nicht gerade als standfester Spieler. Hat der Schiedsrichter vielleicht deshalb keinen Elfmeter gepfiffen, Herr Fröhlich?

Grundsätzlich befassen sich die Schiedsrichter in der Vorbereitung auf ein Spiel mit vielen Aspekten: der Taktik, den Eigenheiten der Mannschaften – und auch damit, welche Spieler bekannt dafür sind, sich vorschnell fallen zu lassen. Aber im Spiel ist man meist sehr auf das Geschehen konzentriert. Gibt es ein klares Foul, dann pfeift der Schiedsrichter selbstverständlich, unabhängig von den beteiligten Akteuren. Wenn der Schiedsrichter aus seiner nicht zweifelsfreien Empfindung heraus entscheiden muss, sollte ihm die Sicht zum Beispiel verstellt worden sein, dann spielt auch das Unterbewusstsein eine Rolle. Aber das ist spekulativ. In dem Fall von Lincoln am Freitagabend war etwas anderes ausschlaggebend. Das war eine ganz typische Situation. Der Schalker Spieler ließ sich bereits, unmittelbar bevor er am Bein getroffen wurde, fallen. Das Ganze ist in der Bewegung passiert und war deshalb nicht eindeutig. Wäre Lincoln deutlich vor dem Foul zu Boden gegangen, dann hätte das als Schwalbe geahndet werden müssen, bei einer klaren Berührung vor dem Fall als Elfmeter. Kircher ließ weiterspielen – und lag damit genau richtig.

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