Sport : Halbe Hoffnung

Für Manager Hoeneß ist das 1:1 gegen die Bayern eine Initialzündung – Trainer Meyer fehlen die Punkte

Michael Rosentritt

Berlin. Die Sonne lachte und sonst niemand. Hans Meyer macht keine Witze mehr, seit dem 1:1 vom vergangenen Samstag gegen den FC Bayern. Während Manager Dieter Hoeneß von einem „guten Unentschieden“ sprach, reagierte Meyer am Tag danach grimmig. „In unserer Lage ist ein Unentschieden doch nicht gut“, sagte Meyer am Sonntag und meinte das ausnahmsweise nicht spaßig.

Für Hoeneß fühlte sich das Unentschieden ein bisschen an wie ein Sieg. Er sprach von „Initialzündung“ und davon, dass ihm nicht bange ist, sollte die Mannschaft diesen Schwung in die nächsten Spiele nehmen. „Dann packen wir es“, sagte Hoeneß und meinte damit den Klassenerhalt. Trainer Hans Meyer gab sich nachdenklicher. „Unsere Situation ist schlechter geworden“, sagte Meyer. „Wir stehen berechtigt auf einem Abstiegsplatz.“ Er wirkte verbittert.

Was hat Herthas Trainer zu Beginn seiner Dienstzeit rund ums vergangene Weihnachtsfest für Heiterkeit verbreitet, mit Scherz und Charme die Stimmung gehoben beim völlig verunsicherten und verängstigten Champions-League-Aspiranten, der eigentlich ans obere Ende der Bundesligatabelle stürmen wollte, aber irgendwie vom Weg abkam und sich mit 13 Punkten auf dem vorletzten Rang bei Saisonhalbzeit wiederfand. Der Spaß ist verflogen. Denn acht Spieltage später ist der Berliner Bundesligist nicht viel weiter.

Unter Meyer hat die Mannschaft elf Punkte geholt, also fast genauso viele wie in der kompletten Hinrunde. Das ist für sich genommen eine Bilanz, „die unter anderen Bedingungen keinen auf die Barrikaden bringen würde“, sagte Meyer. Doch für Hertha sind die Bedingungen nun mal so, wie sie sind. Und die sind eben nicht gerade gut. Hertha hat wieder einmal ein Heimspiel nicht gewinnen können, und da interessiere es nicht im Geringsten, dass ein 1:1 gegen den Rekordmeister für sich genommen ein höchst anständiges Ergebnis darstellt. „Es schließt sich nahtlos an, dass wir zu Hause nicht genug punkten“, sagte Meyer. Im Olympiastadion holte Hertha bisher elf Punkte. Das ist weiterhin die schlechteste Ausbeute aller 18 Bundesligisten.

Meyers neue Nüchternheit hat Gründe. Er interpretiert neuerdings die Tabelle nur noch als emotionsloses Zahlenwerk. Mit dem 1:1 gegen die Bayern hat Hertha den Abstand auf einen Nichtabstiegsplatz um einen Punkt auf zwei vergrößert. Das schlechte Torverhältnis könnte gar wie ein dritter Punkt wirken. Es könnte aber auch sein, dass er sich hat anstecken lassen von der schnörkellosen Analyse seines Kollegen vom FC Bayern. „Beide Mannschaften brauchten drei Punkte. Wir haben zwei Punkte verloren, die Berliner aber auch“, hatte Ottmar Hitzfeld gesagt.

Das engagierte Spiel der Berliner vom Samstag kann nur ein Anfang sein. Auf Elfmeter kann sich keine Elf verlassen. Die Chancen, die Hertha aus dem Spiel heraus kreierte beziehungsweise Stellungsfehlern der Bayern entsprangen, konnten nicht genutzt werden. Schließlich bedurfte es einer Weltklasseleistung von Torwart Christian Fiedler. Er allein vereitelte drei hochkarätige Chancen der Münchner. An seiner Leistung hatte sich letztlich die junge Hertha- Mannschaft aufgerichtet.

Eine glänzende Verfassung des Torwarts kann ein Pluspunkt im Kampf gegen den Abstieg sein. Seine Sicherheit auf dem Spielfeld kann sich auf seine Vorderleute übertragen, sodass der eine oder andere Spieler demnächst ebenfalls über sich hinauswächst und eine herausragende Leistung abliefert wie Fiedler gegen die Bayern. Dann kann es so kommen, wie Dieter Hoeneß beschwört: „Das 1:1 wird der Mannschaft jetzt helfen.“ Nach schlappen Anfangsminuten gegen die Bayern habe die Mannschaft das Spiel in die Hand genommen. Die Spieler hätten gemerkt, dass sie ihr Schicksal selbst bestimmen, hatte Hoeneß gesagt: „Warum sollen wir nicht in Leverkusen gewinnen?“ Das ist Herthas nächster Gegner. Ein Sieg würde das 1:1 gegen die Bayern erst wirklich wertvoll machen. Hoeneß hat genau den Plan der noch ausstehenden Spiele der Saison studiert. „Die Spiele, die wir gewinnen müssen, kommen erst noch“, sagte er und meinte einige Heimspiele. Es fallen Namen wie Rostock, Kaiserslautern und Köln. Auch die Auswärtsspiele in Gladbach und bei 1860 zählen für den Manager dazu. „Diese Spiele müssen wir gewinnen. Die anderen können wir gewinnen“, sagte Hoeneß, „das würde nämlich alles einfacher machen.“

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