Sport : Halbe Revanche

Das deutsche Team kann beim 1:1 gegen Italien eine Führung nicht verteidigen

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Hart am Ball. Mesut Özil (rechts) bereitete die deutsche Führung vor, musste dann aber den Ausgleich der Italiener um Giorgio Chiellini hinnehmen. ]Foto: AFP
Hart am Ball. Mesut Özil (rechts) bereitete die deutsche Führung vor, musste dann aber den Ausgleich der Italiener um Giorgio...Foto: AFP

Als der Deutsche Fußball-Bund die Länderspielsaison 2010/11 geplant hat, hat er überlegt, ob in Dortmund das wichtige Qualifikationsspiel gegen die Türkei stattfinden solle oder das Freundschaftsspiel gegen Italien. Hans-Joachim Watzke, der Vorstandschef von Borussia Dortmund, hat sich sehr für ein Duell mit Italien eingesetzt. Dortmund hatte da noch etwas gut zu machen. Kein Standort gilt als so nationalmannschaftsaffin wie Dortmund, nur ein Spiel hat die deutsche Nationalmannschaft im Westfalenstadion verloren – doch das war das Halbfinale der Heim-WM 2006. Gestern gelang den Deutschen die erhoffte Wiedergutmachung nur zur Hälfte. 1:1 (1:0) spielte das Team von Bundestrainer Joachim Löw und wartet damit seit 16 Jahren auf einen Sieg gegen seinen Angstgegner. Die Tore erzielten Miroslav Klose (siehe Artikel rechts) und Giuseppe Rossi.

Die besondere Zuneigung der Dortmunder zu ihrer Nationalmannschaft wurde zunächst einmal auf eine kleine Probe gestellt. Bundestrainer Joachim Löw hatte gleich fünf Dortmunder Borussen in sein Aufgebot berufen – kein einziger schaffte es in die Startelf. Für Mats Hummels und Marcel Schmelzer, denen die größten Chancen eingeräumt worden waren, spielten Holger Badstuber und Dennis Aogo. Aber die Dortmunder erwiesen sich nicht als nachtragend. Sogar Torhüter Manuel Neuer, beim Erzfeind Schalke unter Vertrag, wurde von 60 196 Zuschauern in der nicht ausverkauften Arena freundlich begrüßt und in der zweiten Halbzeit nach guten Paraden erleichtert bejubelt. Dann musste er allerdings den Ausgleich der gut konternden Italiener durch den eingewechselten Rossi hinnehmen – es war das erste Gegentor der Deutschen nach 383 Spielminuten.

Die Deutschen begannen so, wie man das von einer Mannschaft erwartet, die auf Rache sinnt. Ihr Vortrag war jedoch nicht durchgängig von hoher Intensität und voller Konzentration bestimmt. Die erste Welle dauerte gerade mal fünf Minuten, danach hatten die Italiener die Angelegenheit einigermaßen unter Kontrolle. Mit schnellem Umschaltspiel brachten die Gäste die Mannschaft von Joachim Löw immer wieder in Gefahr.

Die Nationalmannschaft zog das Spiel zu sehr in die Breite, immer auf der Suche nach der einen, entscheidenden Lücke in der Defensive. Doch da musste man bei den Italienern schon immer lange suchen. Nach einer Viertelstunde aber schaltete Thomas Müller von der Breite in die Tiefe um, ein Doppelpass mit Mesut Özil übertölpelte die Viererkette, und mit einem Querpass in die Mitte brachte der Münchner seinen Vereinskollegen Miroslav Klose in Schussposition. Gianluigi Buffon bekam die Hände zwar noch den Ball, konnte das 1:0 für die Deutschen aber nicht mehr verhindern.

Buffon und De Rossi waren die letzten beiden Spieler aus dem Weltmeisterkader von 2006, die den jüngsten Umbruch der Squadra Azzurra überlebt haben und es gestern in die Startelf geschafft hatten. Auf der Gegenseite stand mit Mertesacker, Lahm, Klose, Schweinsteiger und Podolski noch fast die halbe Sommermärchen-Truppe auf dem Feld. Den Deutschen war es zumindest zeitweise anzusehen, dass das Gerüst der Mannschaft seit Jahren zusammenspielt, allerdings wurden die Italiener gegen Ende der ersten Halbzeit und ab Mitte der zweiten Halbzeit stärker. Rossi vollendete dann einen der vielen Konter zum Ausgleich. Der eingewechselte Mats Hummels und Mertesacker wirkten zehn Minuten vor Schluss seltsam zögerlich, so dass Rossi nach einer erneuten Parade Neuers noch einmal zum Schuss kam und traf. „Das war natürlich unglücklich“, meinte Bastian Schweinsteiger hinterher.

Das Publikum war trotz des Unentschiedens halbwegs zufrieden. Immerhin hatte Löw mit Mario Götze, Mats Hummels und Kevin Großkreutz noch drei Dortmunder ins Spiel gebracht. Löws Mannschaft hatte zudem Glück, dass es nach einer Attacke von Per Mertesacker gegen Antonio Cassano keinen Elfmeter für Italien gab.

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