Sport : Halbe Runden

Einige wollen aus dem Sechstagerennen ein Dreitagerennen machen – Berlin ist dagegen

Hartmut Moheit

Von Hartmut Moheit

Berlin. Wenn Heinz Seesing sich äußert, dann sind seine Sätze ausgewogen formuliert. Der Chef des Berliner Sechstagerennens ist ein Norddeutscher, den ohnehin kaum etwas so schnell erschüttern kann. Als er aber so ganz nebenbei berichtete, dass es bei einigen Veranstaltern von Sechstagerennen Gedanken gibt, aus den Sixdays ein Dreitagerennen zu machen, da fielen ihm die Worte plötzlich doch schwer. Seesing wollte daraus eigentlich kein großes Thema machen, aber plötzlich spürte er selbst, wie wichtig seine Aussage noch werden könnte. Schließlich gab Seesing zu: Es gebe „Bestrebungen dieser Art nicht nur in München, sondern auch in Stuttgart“.

In Bayern wurde diese Halbierung der Veranstaltung bereits in den letzten Wochen angedacht, nachdem einige Sechstagerennen wie in Mailand und Zürich ganz aus dem Kalender verschwunden waren, und die Begeisterung in Deutschland eher nachließ. Bei dieser Entwicklung möchte Heinz Seesing nicht tatenlos zusehen. Er fordert ein gemeinsames Konzept aller Veranstalter, damit aus dieser ersten Idee nicht doch Realität wird. Was für Berlin kein Thema ist, darf aus Sicht Seesings auch für keine andere Stadt zum Thema werden. Warum? „Es ist doch Unsinn zu glauben, an drei Tagen werde die Hälfte des Etats eingespart. Es geht ja nicht nur um die Arbeitsplätze der Fahrer. Auch im Umfeld der Veranstaltungsorte profitieren sehr viele davon“, argumentiert Seesing. Ein Dreitagerennen möchte sich auch Otto Ziege, das Berliner Sechstage-Idol, nicht vorstellen. „Wir müssen eher neue Veranstalter finden, die dem Mix aus Sport und Show eigene Impulse verleihen können“, sagt der 76-Jährige, der bis zum kommenden Dienstag in der Berlin Arena wieder als Sportlicher Leiter agieren wird.

„Ehe es zu einer Halbierung des Programms kommt, wäre ich eher für eine Ausweitung“, sagt Heinz Seesing und fügt hinzu: „Wir leben doch in einer Zeit der Extremsportarten, und ich kann mir deshalb vorstellen, dass sogar das 145-Stunden-Rennen von früher wieder eine Chance hätte.“ Das wiederum dürfte den Veranstaltern der Sechstagerennen in Bremen, München, Stuttgart und Dortmund nicht gefallen, die jeweils für sich einen Etat von vier bis fünf Millionen Euro aufbringen müssen. Und das für ein Geschäft, dem langsam die Stars ausgehen. Berlin ist mit einer ausverkauften Halle an allen sechs Tagen die Ausnahme. Auch Bürgschaften und Kredite benötigt Heinz Seesing nicht.

Dennoch denken nicht wenige an die alten Zeiten zurück. Es ist ja noch nicht so lange her, dass Danny Clark zur Gitarre griff und auf der Bühne sein Repertoire an Western-Liedern präsentierte und die Deutschlandhalle zum Kochen brachte. Otto Ziege erinnert sich gern an den Sechstagefahrer aus Australien: „Von ihm lebte ein ganzes Sechstagerennen.“ So einen Radprofi wie Clark, der mit 45 Jahren noch dabei war, gibt es in der Szene nicht mehr. Auch keinen Patrick Sercu, keinen Eddy Merckx, keinen Urs Freuler und nach dem 92. Sechstagerennen in Berlin auch keinen Silvio Martinello mehr.

Junge Bahnfahrer werden sich deshalb profilieren müssen. Darauf setzt Heinz Seesing für die Zukunft. Er möchte erst gar keinen Gedanken daran verschwenden, dass dies bei einem Dreitagerennen der Fall sein sollte.

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