Halbfinal-Aus : Federer verliert den Kopf

Trotz neuem Trainer scheitert Roger Federer im Halbfinale der US Open an Novak Djokovic. Seine mentale Überlegenheit, die ihm den Nimbus der Unbezwingbarkeit mit verschafft hat, hat der Schweizer mittlerweile eingebüßt.

Petra Philippsen

Der Applaus brandete noch einmal auf im ausverkauften Arthur-Ashe-Stadium. Die fast 24 000 Zuschauer verabschiedeten Roger Federer. Jenen Tennisspieler, den sie so sehr ins Herz geschlossen haben, und der nun nicht im Endspiel der US Open gegen seinen Dauerrivalen Rafael Nadal antreten wird. Das erhoffte Traumfinale war geplatzt, und der Schock saß tief bei den Zuschauern – wie auch bei Federer selbst.

„Ich bin sehr enttäuscht“, sagte der Schweizer Weltranglistenzweite, der gesenkten Hauptes den Platz verlassen hatte, „mit Matchbällen zu verlieren, ist nicht lustig. Ich habe alles versucht, aber es hat nicht gelangt.“ Nach fünf Titeln und sechs Finalteilnahmen in Folge musste sich Federer in New York nun bereits im Halbfinale verabschieden. Novak Djokovic hatte ihm eine bittere 7:5, 1:6, 7:5, 2:6 und 5:7-Niederlage beigebracht.

Fast vier Stunden lang hatte er mit Djokovic hart gekämpft und dabei schon früh Probleme mit dessen aggressivem Spielkonzept gezeigt. Dazu war Federers Aufschlagquote durchgehend mäßig, seine Anzahl der unerzwungenen Fehler mit 66 eklatant hoch. „Novak hat mich dazu gezwungen“, sagte Federer, „aber es ist nicht immer alles nur eine Frage der Winner und Fehler.“ Vor allem war es für ihn eine Frage mangelnder Souveränität und vergebener Möglichkeiten. Viel zu leicht hatte Federer die Durchgänge zwei und vier verloren und Djokovic so neue Luft verschafft.

Die Schlussphase der Partie elektrisierte das Publikum, es wäre auch ein würdiges Finale gewesen. Federer kam beim Stand von 5:4 zu zwei Matchbällen, die er aber nicht nutzte. Schlimmer noch, er gab seinen eigenem Aufschlag postwendend nach einer 40:0-Führung ab. Seine Blicke wanderten hinauf zum Sitz seines neuen Trainers Paul Annacone, der sich mit dem Finger an die Schläfe klopfte. Reine Kopfsache sei es, Federer solle nicht aufgeben. Doch dessen mentale Überlegenheit, die ihm den Nimbus der Unbezwingbarkeit mit verschafft hat, hat in dieser Saison arg gelitten. „Ich habe zuletzt öfter mit Matchbällen verloren, das ist nichts Neues mehr“, sagte Federer später betrübt. Djokovic nutzte gleich seinen ersten.

Für Federer war damit die letzte Chance vertan, sich in diesem Jahr nach den Australian Open noch einen weiteren Grand-Slam-Titel zu sichern. Den Rekord von 16 hält Federer bereits, 20 traue er sich noch zu. Doch es mehren sich die kritischen Stimmen, die seine Ära für beendet erklären. „Es ist eine harte Niederlage für mich, aber sie motiviert mich auch, es wieder in ein Grand-Slam-Finale zu schaffen“, sagte Federer nun. Leichter wird es für den 29-Jährigen jedoch nicht. Die Konkurrenten haben aufgeschlossen, ihn gar teils überholt. Federer mochte sich auch gar nicht anschauen, wer das Finale in New York gewann (nach Redaktionsschluss beendet). „Ich spiele mit meinen Töchtern und gehe vielleicht shoppen“, sagte Federer, „aber am wenigsten ist mir jetzt danach, ein Finale anzusehen, in dem ich nicht dabei bin.“

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