Sport : Halbfinale ohne vier Die Basketball-Favoriten stürzen in der Bundesliga

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Berlin - Andrew Drevo machte eine Körpertäuschung nach rechts, dann drehte er sich an seinem Gegenspieler vorbei nach links und traf im Rückwärtsfallen mit der Schlusssirene zur nächsten Sensation. Der Basketballer der Eisbären Bremerhaven schoss seine Mannschaft am Freitagabend zum 79:78 (40:41) bei der BG Göttingen; der Sieg bedeutete nicht nur, dass Bremerhaven den amtierenden Euro-Challenge-Champion mit 3:2 aus den Play-offs warf. Mit den Göttingern schied nach Vizemeister Bonn, Meister Oldenburg und Alba Berlin auch der letzte Klub im Viertelfinale aus, der nach der regulären Saison auf den ersten vier Plätzen gelandet war. Eine derartige Serie von Favoritenstürzen hat es in der Geschichte der Basketball-Bundesliga (BBL) noch nie gegeben. Im Halbfinale treffen ab Montag nun die achtplatzierten Braunschweiger auf die fünftplatzierten Baskets Bamberg, Alba-Bezwinger Frankfurt (Platz sieben) bekommt es mit den Bremerhavener (Platz sechs) zu tun.

„Dass es die eine oder andere Überraschung gibt, ist klar“, sagt BBL-Geschäftsführer Jan Pommer. „Aber mit dieser Massivität war nicht zu rechnen.“ Pommer sieht im Verlauf der Play-offs einen „Ausdruck der großen Leistungsdichte“ in der BBL. Klubs wie Alba oder die Baskets Bonn, die über die größten Hallen und die höchsten Budgets verfügen, müssen jetzt zusehen. „Es ist mein Job, mich mit jedem gleichermaßen zu freuen“, sagt Pommer, gibt aber auch zu: „Natürlich finde ich die Begeisterung in Braunschweig toll, da erwacht ein Standort wieder zum Leben.“

Aus Sicht von Braunschweigs Heiko Schaffartzik ist der Saisonverlauf weniger sensationell. „Wenn man das analysiert, finde ich es nicht so überraschend“, sagt der 26-Jährige. Lediglich mit Frankfurts klarem Sieg gegen Alba hatte der Nationalspieler nicht gerechnet. „Für uns habe ich gute Chancen gegen Oldenburg gesehen, Göttingen und Bremerhaven waren auf Augenhöhe“, sagt Schaffartzik. Und Bamberg sei „sehr, sehr stark“ und habe in Predrag Suput den „besten Spieler der Liga“.

Drei der vier Halbfinalisten trafen zudem während der Saison wegweisende Personalentscheidungen: Bamberg verpflichtete nach schwachem Start den slowakischen Spielmacher Anton Gavel, der mittlerweile der Kopf der Mannschaft ist. In Frankfurt übernahm erst kurz vor den Play-offs Trainer Gordon Herbert das Team von Murat Didin. Und die Braunschweiger verpflichteten Ende Januar den routinierten Marcus Goree, der sich sofort zum besten Werfer des Klubs entwickelte. „Insofern sind das nicht mehr die gleichen Teams wie noch in der ersten Saisonhälfte“, sagt Heiko Schaffartzik.

Pokalsieger Bamberg, der Bonn im Viertelfinale mit einem 3:0-„Sweep“ besiegte, gilt nun als großer Favorit auf den Titel – allerdings nicht für Jan Pommer. „Ich tippe grundsätzlich nicht auf irgendeinen Klub“, sagt der BBL-Chef. „Und in dieser Saison erst recht nicht.“

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