Sport : Hallenhockey: Normalform reicht dem BHC nicht

Martin Scholz

Fassungslos stand Friedel Stupp auf seiner Bank. Mit über dem Kopf zusammengeschlagenen Händen und unbewegter Miene verfolgte er die Jubelszenen auf dem Parkett. Klipper Hamburg feierte - und die von Stupp trainierten Hockeyspielerinnen des Berliner HC standen nur als Randfiguren daneben. Das Endspiel um die 40. Deutsche Hallenmeisterschaft hatten die Hamburgerinnen überraschend mit 4:3 (2:2) gegen den BHC gewonnen.

Dabei erwischte der Titelverteidiger aus Berlin einen guten Start. Katrin Kauschke verwandelte eine Ecke zur 1:0-Führung. Danach kassierte der BHC jedoch zwei Kontertore zum 1:2. "Ich habe ausdrücklich vor den Kontern gewarnt", ärgerte sich Friedel Stupp und kritisierte: "Wir haben zu viele einfache Fehler im Spielaufbau gemacht." Besonders Klipper-Stürmerin Anneke Böhmert war an ihrem 20. Geburtstag nicht in den Griff zu bekommen und münzte zwei schnelle Vorstöße in Tore um. Nach der Pause erzielte Böhmert auch noch das 3:2 und erzwang noch einen Siebenmeter, den Meike Poppitz zum 4:2 verwandelte.

Dem BHC gelang im gesamten Spiel kein einziges herausgespieltes Tor. Natascha Keller konnte lediglich zwei Siebenmeter zum 2:2 und 3:4 verwandeln. Obwohl Klipper tags zuvor im Halbfinale noch eine Verlängerung durchstehen musste, hatte der BHC nie konditionelle Vorteile. Im Gegenteil: Die Hamburgerinnen wirkten in vielen Situationen energischer und waren den entscheidenden Schritt schneller. Selbst mit einer für Torhüterin Louisa Walter zusätzlich eingewechselten Feldspielerin schuf der BHC kein erdrückendes Übergewicht.

Klipper Hamburg hatte nach einem personellen Aderlass vor der Saison selbst nicht im entferntesten mit dem Erreichen der Endrunde gerechnet. "Innerlich habe ich nicht an den Titel geglaubt", gab Trainer Markku Slawyk zu. "Wir hatten Glück, das Spiel immer eng halten zu können. In der Schlussphase war dann alles möglich." BHC-Trainer Stupp sprach von einem verdienten Sieg der besseren Mannschaft und urteilte: "Wir haben auf zu vielen Positionen nicht die Leistung gebracht, die man braucht, um Deutscher Meister zu werden."

Blass blieb auch die sonst so wertvolle Natascha Keller. "Dabei waren wir nach der zuvor schwachen Saison in der Endrunde besonders heiß", meinte Keller. "Aber wir haben nur Normalform gebracht, und das reicht eben nicht." Die seit sechs Jahren für die Nationalmannschaft stürmende 23-Jährige hat sich nun aus beruflichen Gründen eine Pause auferlegt. "Irgendwann ist man ^einfach auch hockeymüde", begründet sie ihre Entscheidung, vorerst nicht mehr für die Nationalmannschaft zur Verfügung zu stehen.

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