Sport : Halligalli

Michael Rosentritt

Japan und das Fotografieren gehören zusammen. Und das Lächeln. Ein Jürgen-Klinsmann-Lächeln! Welche Bil- der werden vom Fußballspiel gegen Japan hängen bleiben? Dass der spielbegabte Schneider als Rechtsverteidiger verschenkt ist? Oder doch jene, auf denen Nowotny Rückpässe spielt und Abseitsstellungen aufhebt? Wie wären Bilder, auf denen Klinsmann nicht mehr lächelt? Aufgenommen am Tag nach dem 2:2. „Können wir mal mit dem Fotografieren aufhören – bei jeder Gesichtsbewegung dieses Halligalli hier.“ Hat der Bundestrainer gesagt. Was aber nervte Klinsmann in Wirklichkeit? Hätte er nicht auch sagen können: Bei jeder Spielbewegung der Japaner war Halligalli in unserer Defensive?

Bildmaterial gibt es reichlich. Die deutsche Abwehr, ein altes Motiv. Wenn es nur das wäre. Welches Bild gibt Klinsmanns Team ab, so wenige Tage vor dem WM-Start? Es ließen sich Bilder zeigen, die davon berichten, dass die Mannschaftsteile nicht harmonieren, ja dass es jetzt nicht mal mehr im Mittelfeld passt. Bisher musste an dieser Stelle nicht retuschiert werden. Alles nur Zerrbilder?

Die Japaner, die glücklichen. Sie gaben ein Bild ab, dass man gern vom Gastgeber gesehen hätte. Taktisch gewieft, diszipliniert, am Ball witzig und intelligent, kurz: imponierend. Die Deutschen? Da stimmt was nicht. Jens Lehmann wollte die Optik auf die Spielweise der deutschen Elf gerichtet wissen. Die sei nun mal risikoreich. Leider stimmt dieses Bild nicht. Diese Spielweise, das schnelle, steile Spiel nach vorn, ist nicht per se risikoreich, sondern nur, wie sie die Deutschen aufführen. Solche Bilder entstehen, wenn die Darsteller zu oft wechseln, wenn sie schlecht zueinander stehen, oder wenn es ihnen an bestimmten Techniken fehlt.

Vielleicht war es einfach nur der falsche Zeitpunkt. Bilder von schweren, deutschen Beinen gibt es keine, obwohl in den letzten Tagen viel und hart trainiert wurde. Ist das gerecht? Für den Moment, ja. Morgen, gegen Kolumbien, gibt es vielleicht schon wieder andere Bilder.

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