Sport : Hallo, Technik?

Warum die Schwimm-WM nicht optimal organisiert ist

Frank Bachner

Es ist ja noch mal alles gut gegangen. Jeder Athlet war rechtzeitig im Wasser, kein Startblock blieb frei, niemand verpasste seinen Wettkampf. Aber bei einigen wurde es knapp bei der Schwimm-WM in Barcelona. So staunten mehrere Athleten nicht schlecht, als der Bus, der sie vom Hotel zum Sadion bringen sollte, vor ihren Augen die Türen schloss und davonrollte. Das Fahrzeug war voll. Die verblüfften Sportler mussten mit einem eilig georderten Taxi ins Stadion rasen. Kurz darauf begann ihr Rennen.

Aber so etwas passt ins Bild dieser WM. Die Organisation ist nicht gerade optimal, und die technischen Bedingungen sind katastrophal. Oder um es mit Ralf Beckmann, dem Chef-Bundestrainer der deutschen Schwimmer, zu sagen: „Das ist der perfektionierte Dilettantismus.“ Er staunte nicht schlecht, als er die Startblöcke am Becken sah. Bei denen ließ sich der Winkel der Absprungplatte verstellen. So etwas hatte Beckmann noch nie gesehen. „Wenn man den steilsten Winkel eingestellt hätte, wäre das Risiko eines Frühstarts extrem hoch gewesen“, sagte er. Also protestierte er, wie andere Teams auch, gegen den Hightech-Startblock. Erst dann wurde der Winkel, der Norm entsprechend, auf 10 Grad eingestellt.

Als schlechten Scherz empfand er auch die höhenverstellbaren Haltegriffe für die Hände links und rechts des Startblocks. Das hatte es auch noch nie gegeben. „Das muss man sich mal vorstellen, wenn da jeder am Start hektisch seine optimale Höhe eingestellt hätte, vom 1,95-m-Mann bis zum 1,70-m-Mann“, sagte Beckmann. Er findet solche Haltegriffe ja nicht generell schlecht, aber „man kann doch mit so etwas nicht plötzlich bei einer WM auftauchen. Man muss doch so etwas erst mal testen“. Noch empörter reagiert er auf die Leinen zwischen den Bahnen, die die Wellen brechen sollen und deshalb unter Schwimmern auch nur „Wellenbrecher“ heißen. Die Leinen in Barcelona sind zwar wie üblich auch aus Kunststoff, aufgrund ihrer glatten Struktur bleibt das Wasser aber unruhig, so dass die Athleten eine Menge Wasser schlucken und aus dem Rhythmus geraten können. „Die gehören von hier aus auf den Müll, es ist ein Unding, so etwas anzubieten", sagt Beckmann.

Wie kann so etwas passieren? Der Weltverband Fina, der sonst jede Schraube kontrolliert, zeigt hier Toleranz. Der Grund dafür ist schwer zu ermitteln, verantwortliche Fina-Funktionäre waren nicht zu sprechen. Sicher ist aber, dass es bei bestimmten technischen Bereichen wie den Leinen keine verbindlichen Regeln gibt. Die Fina-Funktionäre haben also einiges zu erklären. Zum Beispiel, weshalb für mehrere hundert Athleten bei der Dopingprobe nur zwei Toiletten zur Verfügung stehen. Hannah Stockbauer musste deshalb 90 Minuten warten, bis sie ihre Probe abgeben durfte.

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