Sport : Haltbar bis...

Die Standfestigkeit der Motoren könnte der entscheidende Faktor dieser Formel-1-Saison sein

Karin Sturm

Sepang - Eigentlich gilt in der modernen Formel 1 die Aerodynamik als Antwort auf alle Fragen. Wie wichtig der kontrollierte Luftfluss für die Leistung der Autos ist, zeigt die Aufregung um Ferrari: Gleich acht Teams hatten gegen die offenbar nicht regelkonformen, weil flexiblen Flügel des Rennstalls protestiert. Der Automobil-Weltverband machte Ferrari daraufhin klar, dass das Team beim Rennen in Melbourne in zwei Wochen besser mit einer anderen Ausführung auftauchen sollte. Der entscheidende Faktor zum Titelgewinn könnte in dieser Saison jedoch ein anderer sein: der Motor, oder genauer: seine Standfestigkeit. Triebwerksschäden sind nach dem Wechsel von den Zehn- auf die Achtzylinder-Motoren geradezu an der Tagesordnung. Diese Situation wird durch das Reglement verstärkt, nach dem jeder Motor zwei komplette Rennwochenenden durchhalten muss. So ist auch ein Schaden im Training meist schon das Ende aller Hoffnungen für den Fahrer, der danach in der Startaufstellung um zehn Plätze nach hinten versetzt wird wie beispielsweise Ferrari-Pilot Michael Schumacher in Malaysia.

„In den ersten beiden Rennen hat jetzt schon mehr als das halbe Feld einen Defekt gehabt“, sagt BMW-Teamchef Mario Theissen, der schon zwei Schäden in seinem Team hinnehmen musste. „Das zeigt, dass kein Hersteller auf der sicheren Seite ist. Die Zeit, die Motor zu entwickeln, war einfach zu kurz.“ Normalerweise benötigt die Entwicklung eines neuen Motors eineinhalb Jahre, doch das neue Reglement wurde erst Ende 2004 bekannt gegeben.

Dabei hat allerdings gerade das Team, das den neuen Motor schon seit Oktober und damit am längsten auf der Strecke getestet hat, die meisten Probleme. Vier der acht in Sepang gewechselten Motoren stammten von Ferrari. Es schien sogar, als hätten Schumacher und sein Teamkollege Felipe Massa die Drehzahl gegen Rennende noch einmal deutlich gedrosselt, um überhaupt ins Ziel zu kommen.

Dagegen offenbarte Renault beim Doppelsieg von Fisichella und Alonso keine Probleme. Offensichtlich macht es sich bezahlt, dass die Franzosen den Motor noch bis Mitte Januar ausschließlich am Prüfstand laufen ließen. Auch bei Mercedes machte man den großen Leistungs- und Zuverlässigkeitssprung vor allem mit ausgiebigen Prüfstand-Versuchen. McLaren-Mercedes hat bis jetzt als einziges Top-Team keinen einzigen Motorwechsel zu verzeichnen. Auch bei BMW soll die Lösung der Probleme vor allem durch neue Dauer-Simulationen erfolgen. Der Motor, der am Sonntag fünf Runden vor Schluss in Nick Heidfelds Auto hochgegangen war, lag schon am Montag in München auf dem Prüftisch.

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