Sport : Haltung bewahren

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Norbert Thomma über

das StilLeben der Fußballer von Madrid

Jetzt wird wieder an Legenden gestrickt. Und der Kaiser, der doch meist eher ein Firlefranz ist, strickt allen voran. Was für eine Mannschaft, dieses Real Madrid, diese Überlegenheit, wie sie mit dem Gegner spielen, auch wieder mit ManU, wie sie das Tempo drosseln und nach Belieben Tore machen … Schmarrn, Herr Beckenbauer! Darf vielleicht daran erinnert werden, dass wir Real nur noch spielen sehen dank der unsagbaren Dusseligkeit von Borussia Dortmund? Dass die Madrilenen demnächst gegen Juventus Turin auflaufen, weil im Westfalenstadion in allerletzter Minute ein Dortmunder geistesabwesend … aber, ach, lassen wir das.

Richtig ist: Man schaut dieser Mannschaft in ihren weißen Trikots, selbst wie in dieser Woche im kleinen Schwarzen, verdammt gerne zu. Warum? Wieso sieht das – unabhängig vom Resultat – so bezaubernd aus, was Real Madrid tut? Es liegt am Stil. Keine andere Mannschaft der Welt hat so viele Mitglieder mit Stil. Raul hat Stil, Figo auch, Roberto Carlos hat Stil, Zidane sowieso. Und Ronaldo? Ein bisschen davon hat auch er.

Was das ist, Stil? Schwer zu sagen. Vielleicht wird es klar in seiner Negation, also: Jens Jeremies hat keinen Stil, Matthias Sammer auch nicht, Carsten Ramelow ist Lichtjahre entfernt davon. Ottmar Hitzfeld dagegen hat Stil. Michael Ballack ebenso. Rivaldo beispielsweise, einer der besten Brasilianer – null Stil; ein jammernder, egomanischer Stinkstiefel. Stil beim Fußball ist, wenn Kunst und Haltung sich in einer Person vereinen. Und es gehört unabdingbar dazu, dieses nicht zur Selbstdarstellung werden zu lassen.

Deshalb gilt für Ronaldo die Einschränkung: ein bisschen. Natürlich, er hat alle drei Tore erzielt. Aber sie wurden möglich durch Pässe von Zidane und Carlos, durch Kombinationen von meisterhafter Klarheit. Und der schönste Moment war, wie Zidane eine lange Flanke leicht und direkt Figo in den Lauf lenkt. Rivaldo, beispielsweise, hätte da aufs Tor geschossen, um zu glänzen. Die Stilisten von Madrid dagegen wirken in ihren grandiosen Momenten als Ensemble. David Beckham übrigens, den Real kaufen möchte, würde dazu passen. Er mag ein Narzisst und Popstar sein, auf dem Rasen interessiert ihn Raffinesse nur, wenn sie einen Effekt hat.

Die Champions League wird man mit Stil allein vielleicht nicht gewinnen. Durchaus möglich, dass ein italienischer Klub den Titel holt. Aber diese Mannschaft von Real Madrid wird einem in Erinnerung bleiben – als fußballerisches Stil-Leben.

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