Sport : Hambüchen, sonst nicht viel

Der Turn-Star siegt bei der enttäuschenden ersten WM-Qualifikation in Berlin

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Berlin – Eine Hiobsbotschaft für Bundestrainerin Ulla Koch gab es bereits beim Einturnen. Deutschlands beste Turnerin, die Berlinerin Katja Abel, verletzte sich an beiden Sprunggelenken und musste ins Krankenhaus gebracht werden. Am Freitag hatte sich bereits René Piephardt vom SC Berlin beim Training die Handwurzel gebrochen. Damit gingen bei der ersten Qualifikation für die Weltmeisterschaft der Turner in Aarhus gestern im Sportforum Hohenschönhausen keine Berliner an den Start. In der Großen Sporthalle blieben etliche Plätze frei, obwohl Deutschlands beste Turner fast komplett angetreten waren.

Für Deutschlands Vorzeigeturner Fabian Hambüchen war die WM-Qualifikation gleichzeitig der Start in die Saison. Er sorgte auch für die wenigen Höhepunkte der Veranstaltung und belegte souverän Platz eins im Mehrkampf an den sechs Geräten. Besonders mit seiner Übung an seinem Spezialgerät Reck kann der 18-Jährige bei der WM vom 16. bis 22. Oktober in Dänemark in den Kampf um die Medaillen eingreifen. „Mit der Leistung von heute kommt er bei der WM auf jeden Fall ins Reckfinale“, sagte sein Vater und Trainer Wolfgang Hambüchen. Mit der Form seines Sohnes war er insgesamt sehr zufrieden. „Zum jetzigen Zeitpunkt hätte ich eigentlich noch mehr Wackler erwartet, aber Fabian hat technisch sehr sauber und stabil geturnt.“ Auch mit der Bodenübung, bei der Hambüchen mit dem „Lou Yun“, einem Zweifachsalto seitwärts mit Dreivierteldrehung, einen neuen Übungsteil zeigte, war der Vater zufrieden.

Sohn Fabian stapelt bewusst tief für die Titelkämpfe in Dänemark. Er werde versuchen, seine Übungen optimal durchzuturnen, „dann werden wir sehen, ob mich die Kampfrichter ins Finale lassen“. Im Vordergrund steht für Hambüchen aber das Abschneiden mit der Mannschaft. Im Hinblick auf die Olympischen Spiele 2008 müsse man sich unter den ersten zwölf Nationen in der Welt etablieren. Das wird Männer-Bundestrainer Andreas Hirsch gerne hören. Mit dem Niveau gestern war er dagegen nicht zufrieden. „Bis auf Hambüchen und den zweitplatzierten Philipp Boy hat hier keiner stabile Leistungen gezeigt“, sagte Hirsch. Grundsätzlich erfreulich sei aber der Konkurrenzkampf im Kader, weil die Jungen die etablierten Turner zu besseren Leistungen anspornten. Bis zur Deutschen Meisterschaft in Stuttgart (1. bis 3. September), der zweiten Qualifikationsmöglichkeit für die WM, müssen sich aber alle noch gewaltig steigern. Danach wird Hirsch einen zehnköpfigen Vorbereitungskader nominieren, aus dem acht Turner dann nach Aarhus fahren dürfen.

Frauentrainerin Ulla Koch wird ihre Nominierungen dagegen verschieben müssen. „Katja Abel, das zeigt auch ihr dritter Platz am Sprung bei der Europameisterschaft dieses Jahr, ist zurzeit nicht zu ersetzen“, sagt Koch. Sie will daher für Abel, die in Stuttgart nicht starten kann, „bis zur letzten Minute einen Platz freihalten“. Kim Bui aus Tübingen hat mit ihrem Sieg in Berlin einen großen Schritt Richtung WM gemacht. Außerdem hofft Koch, dass ihre verletzte Nummer zwei, Darja Bijak, die in den USA trainiert und studiert, noch rechtzeitig fit wird. Insgesamt ist Koch skeptisch: „Ich fahre mit mehr Sorgen nach Hause als ich angereist bin.“

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