Hamburg - Augsburg 0:1 : HSV ohne Ideen, Augsburg mit Hoffnung

Ohne Spielmacher Rafael van der Vaart verliert der der Hamburger SV sogar das Heimspiel gegen den wieder erstarkten Abstiegskandidaten FC Augsburg mit 0:1.

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Wieder gewonnen: Augsburgs Jan-Ingwer Callsen-Bracker (v. l.) jubelt über sein Tor zum 1:0, neben ihm Sascha Mölders und Andre Hahn.
Wieder gewonnen: Augsburgs Jan-Ingwer Callsen-Bracker (v. l.) jubelt über sein Tor zum 1:0, neben ihm Sascha Mölders und Andre...Foto: dpa

Hamburg - Zum Schluss kam es ganz dick. Maximilian Beister, gerade erst eingewechselt und offenbar unschlüssig, was er denn mit dem vielen Adrenalin anfangen sollte, trat im Niemandsland aus wie ein Pferd und traf seinen Gegenspieler Daniel Baier in einer ganz besonders empfindlichen Gegend. Das zog zehn Minuten vor Schluss die Rote Karte nach sich und war für seinen Hamburger SV das letzte Signal dafür, dass es wohl nichts werden würde mit dem fest eingeplanten Sieg auf dem Weg in den Europapokal. 0:1 (0:1) unterlag der HSV vor 52 000 Zuschauern im Volkspark dem FC Augsburg auf dessen wundersamer Reise durch die Rückrunde, an deren Ende doch noch die erfolgreiche Versetzung in die Klasse von 2013/14 stehen könnte. Der HSV aber sollte in seiner Kalkulation besser keine Einnahmen aus dem internationalen Geschäft einplanen.

„Wir haben die letzte Überzeugung vermissen lassen, viele Chancen liegen lassen und haben hinten sehr leichtfertig gespielt“, sprach der Hamburger Trainer Thorsten Fink. Das Unheil für seine Mannschaft hatte sich früh angedeutet. Der HSV war noch gar nicht richtig auf dem Platz, da flog von der rechten Seite ein Freistoß von Tobias Werner in den Strafraum, wo eigentlich die Innenverteidiger Heike Westermann und Jeffrey Bruma das Sagen haben. In deren Rücken hatte sich jedoch der Augsburger Abwehrmann Jan-Ingwer Callsen-Bracker herangeschlichen. Der Mann mit dem kompliziertesten Namen der Bundesliga demonstrierte, wie gut er sich auf das Kopfballspiel auch im gegnerischen Strafraum versteht. „Da hat die Mannschaft sehr schön umgesetzt, was wir im Training üben“, sagte Augsburgs Trainer Markus Weinzierl.

Der HSV war in der Vorwärtsbewegung zwar sehr präsent, aber wenig kreativ und schon gar nicht überraschend. Vielleicht lag es an der Absenz von Rafael van der Vaart, der sich kurz vor dem Spiel mit einer Magen-Darm-Grippe abgemeldet hatte und im zentralen Mittelfeld von Tolgay Arslan vertreten wurde. Auch van der Vaart ist oft über weite Strecken kaum zu sehen – aber doch immer gut für die eine unerwartete Aktion. Auch daran mangelte es dem Hamburger Spiel. „Das war einfach zu wenig“, sagte Fink.

Und doch waren da reichlich Torchancen, aber sie verdankten ihre Entstehung weniger einem durchdachtem Angriffsspiel denn Augsburger Nachlässigkeiten. Einmal flankte Marcell Jansen von links scharf und flach in die Mitte, genau in den Lauf von Artjoms Rudnevs, doch der zog im entscheidenden Moment den Fuß ein Stück zurück. Dann verdaddelte Augsburgs Ja-Cheol Koo den Ball im eigenen Strafraum, sein südkoreanischer Landsmann im HSV-Trikot Heung Min Son schoss, allerdings zu ungenau. Die größte Chance vergab abermals Rudnevs, der nach Dennis Aogos Flanke nur den Kopf hätte hinhalten müssen, das aber so ungeschickt tat, dass der Ball nicht mal annähernd in Richtung Augsburger Tor flog. Es war nicht der Nachmittag des Letten, dessen Tore den HSV zuletzt von Europa hatten träumen lassen.

Das Publikum dämmerte lange Zeit vor sich hin, wurde schlagartig wach, als auf der Videotafel ein Fürther Tor beim Lieblingsfeind Bremen angezeigt wurde und pfiff dann immer lauter auf das, was auf dem Rasen zur Vorführung kam. Bis dann nach Beisters Pferdetritt auch Schiedsrichter Welz pfiff und alle Hamburger Ambitionen dahin waren. Sven Goldmann

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