Hamburg - Bremen 4:0 : Hohn im Norden

Nach der Derby-Niederlage ist vor dem Derbysieg: Der HSV zeigt sich von der St. Pauli-Pleite unbeeindruckt und schlägt Werder mit 4:0. Zudem wird Chelseas Frank Arnesen offenbar neuer Sportdirektor.

Frank Heike
V wie: Vier auf einen Streich. Hamburgs Jonathan Pitroipa (v. l. n. r.), Mladen Petric, Heung-Min Son und Paolo Guerrero kamen gegen Werder kaum mit dem Jubeln hinterher.
V wie: Vier auf einen Streich. Hamburgs Jonathan Pitroipa (v. l. n. r.), Mladen Petric, Heung-Min Son und Paolo Guerrero kamen...Foto: dapd

Gegen diesen schwachen HSV zu verlieren, das war gar nicht so leicht. Werder Bremen gelang das Kunststück: 0:4 unterlagen die Bremer dem Nordrivalen am Samstag und stecken tiefer im Abstiegsschlamassel denn je. Vorne harmlos und hinten anfällig – die Bremer spielten wie ein Absteiger. Der HSV verschaffte sich drei Tage nach der Derby-Niederlage gegen St. Pauli dank der Tore von Petric und zweimal Guerrero (42. und 64. und 79.) sowie Ben-Hatira (87. Minute) etwas Luft und stieß das am Ende desolate Werder weiter in den Keller.

Schon vor dem Spiel gehörten die positiven Schlagzeilen dem HSV. In Frank Arnesen dürfte nun endlich der neue Sportchef gefunden sein. Er soll einen Drei-Jahres-Vertrag unterschrieben haben. Der Däne steht noch in Diensten des englischen Premier League-Klubs FC Chelsea und arbeitet dort im Vorstand. Sein Vertrag läuft im Sommer aus. Dann dürfte Arnesen einen Job beim HSV annehmen, so hat es zumindest der Vorstand der Hamburger verkündet. Arnesen, früher Nationalspieler seines Landes, soll der neue starke Mann im Klub werden und die gesamte sportliche Ausrichtung verantworten. Sollte er tatsächlich kommen – beim HSV sind seit Sammers Absage gewisse Zweifel in Personalfragen ja durchaus angebracht – könnte Arnesen auch etwas Druck von Vorstand Bernd Hoffmann nehmen, der derzeit vom Aufsichtsrat sehr kritisch beäugt wird und um seine Vertragsverlängerung bangen muss.

Mag die Zukunft mit Arnesen besser aussehen, so war die Gegenwart zunächst ziemlich trist. Die Hamburger wirkten völlig verunsichert und brachten kaum einen Angriff zu Ende. Werder begann mit nur einer Spitze, versuchte, das Mittelfeld zu verdichten und hoffte ansonsten auf die Dribbelkünste Marins oder einen lichten Moment von Arnautovic. Beim Österreicher wartete man vergebens auf irgendetwas Produktives. An ihm lief das Spiel vorbei, man hatte das Gefühl, er gehöre gar nicht zur Mannschaft.

HSV-Trainer Armin Veh hatte seine Elf auf vier Positionen umgestellt, Kapitän Westermann rückte auf die Position vor der Abwehr, Kacar spielte in der Innenverteidigung. Der Trainer wollte nach der Niederlage vom Mittwoch Zeichen setzen, aber seine Profis waren nie in der Lage, mit der Aufstellung und Ausrichtung etwas anzufangen. Es war erschütternd, mit wie wenig Mut und Energie der HSV gegen eine Bremer Mannschaft spielte, die auch auf zahlreiche Stammspieler verzichten musste. Die Bremer Notlösung mit Fritz als offensivem Mittelfeldspieler funktionierte noch am besten.

Eine einzige große Chance entsprang dem vorsichtigen Werder-Spiel – jenem Fritz gelang ein schönes Solo, mit dem er aber Frank Rost vor keine großen Probleme stellte. Vor allem der HSV bot zunächst lauter kleine Peinlichkeiten: ausrutschende Spieler, abgerutschte Pässe, ein halbes Dutzend Abseitsstellungen. Alles lief auf ein torloses Remis hinaus, doch Werders Potential, sich ins Knie zu schießen, ist in dieser Saison sehr ausgeprägt: den Ball eigentlich schon unter Kontrolle habend, schoss Mertesacker eine Kerze, Silvestre passte nicht auf, zwischen beiden hindurch kam Pitroipa an den Ball und passte in die Mitte, wo Schmidt und Prödl weit von Petric entfernt standen. Mit rechts aus der Luft ins Tor – ein schöner Treffer von Petric in der 42. Minute. Beim zweiten Hamburger Treffer unterlief Mertesacker ein schlimmer Fehler, er verlor den Ball an Petric, dessen Hereingabe schob Guerrero ohne Mühe zum 2:0 ein (64.). Als Guerrero später noch den dritten Treffer folgen ließ, höhnten die HSV-Fans: „Zweite Liga, Werder ist dabei.“ Das 4:0 durch Ben-Hatira war dann der Schlusspunkt eines HSV-Spiels, das sehr holprig begann.

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