Hamburg Freezers : Endlich mit Gesicht

Dank einer neuer Philosophie gehören die Hamburg Freezers endlich zur DEL-Spitze – der Eishockeyklub aus dem Norden will auf Kontinuitiät setzen und junge deutsche Spieler an sich binden.

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Euphorie auf Eis. Nach Jahren des Mittelmaßes haben sich die Hamburg Freezers, hier mit Thomas Dolak, vorn etabliert.
Euphorie auf Eis. Nach Jahren des Mittelmaßes haben sich die Hamburg Freezers, hier mit Thomas Dolak, vorn etabliert.Foto: dpa

Sven Felski brauchte gar nicht lange zu überlegen. Warum die Hamburg Freezers in dieser Saison so erfolgreich sind, fiel ihm am späten Freitagabend sofort ein. Der Berliner Stürmer legte einen etwas abfälligen Blick auf und gab dann diese Erklärung ab: „Wenn man jedes Jahr zehn Spieler austauscht, muss es ja irgendwann mal klappen.“ Immer neue Akteure sind Felski begegnet in den vergangenen neun Jahren, die er mit den Eisbären nun schon gegen die Mannschaft aus Hamburg antritt. Besonders erfolgreich waren die meisten davon nicht für die Freezers – bis zu dieser Saison, in der sich die Mannschaft aus dem Norden in der Spitzengruppe der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) festgesetzt hat.

Doch entgegen der Felskischen Logik steckt dahinter ein echtes Konzept. Statt der regen An- und Verkaufspolitik der Vergangenheit darf man jetzt „von den Freezers Kontinuität erwarten“, sagt Michael Pfad. Der Geschäftsführer will keine Spieler mehr verpflichten, „die nur einen Puck halten können, sondern welche, die auch ins Team passen und charakterstark sind“. Ein Gesicht sollen die einst so gesichts- und erfolglosen Freezers also endlich bekommen. Mit jungen deutschen Profis wie Jerome Flaake und David Wolf und mit erfahrenen wie dem ehemaligen NHL-Spieler Christoph Schubert. Diese Philosophie kommt einem bekannt vor – vom Berliner Eishockey.

Überhaupt sind die Begegnungen zwischen Freezers und Eisbären ja seit jeher brisant, weil beide demselben Unternehmen, der Anschutz-Gruppe, angehören. Doch am Sonntag (14.30, live bei Sky) steht erstmals seit Jahren nicht nur ein Firmenduell an, sondern ein echtes Spitzenspiel. Als die Hamburger vor ein paar Wochen die Tabelle der DEL anführten, sprach der Boulevard in der Hansestadt sogar schon vom künftigen „Meister-Team“ – zu viel des Guten für den Geschäftsführer. „Wir haben alle Möglichkeiten, aber wir sind kein Titelfavorit“, sagt Pfad. Aus gutem Grund.

Immerhin dümpelten seine Freezers vor einem Jahr noch am Tabellenende herum. Zum zweiten Mal in Folge verpassten sie in der zurückliegenden Saison die Play-offs. So kommt es, dass sie dem größten Erfolg der Vereinsgeschichte nun schon sieben Jahre lang hinterherhecheln. Zwei Jahre, nachdem Anschutz den Klub von München nach Hamburg verpflanzt hatte, kam er mal ins Halbfinale und erzeugte damit „eine riesige Euphorie, jeder wollte damals in Hamburg zum Eishockey“, erinnert sich Verteidiger Patrick Köppchen, der den Verein 2004 trotzdem Richtung Hannover verließ. Mit Köppchen ging auch der Erfolg.

Aus der Ferne beobachtete er, dass „über die Jahre der ein oder andere Fehltritt“ bei den Freezers begangen wurde. „Auf dem Papier hatten die jedes Jahr eine Topmannschaft, nur auf dem Eis hat es nie zusammengepasst.“ Jetzt ist Köppchen wieder in Hamburg – die Euphorie auch. Seit einer kleinen Ewigkeit wird die Arena im Volkspark am Sonntag mal wieder ausverkauft sein. „Die Leute sehen, dass hier was passiert“, sagt Köppchen. Dass sein Team trotz kleinerer verletzungsbedingter Schwächen wieder vorne dabei ist, führt er darauf zurück, dass „die Mannschaft zusammenhält und komplett in dieselbe Richtung geht“.

Die Mannschaft ist die von Sportdirektor Stephane Richer, Trainer Benoit Laporte und Michael Pfad, der im Dezember 2009 die Geschäftsführung übernahm. Alle Spieler aus dem aktuellen Kader sind unter Pfads Regie geholt worden. Diejenigen, die an den wilden Freezers-Zeiten mitwirkten, hat man kategorisch aussortiert. Künftig aber sind in Hamburg langfristige Bindungen erwünscht – mehr als die Hälfte der Profis besitzt einen Vertrag für die kommende Spielzeit und soll dazu ermuntert werden, „dauerhaft oben mitzuspielen“, sagt Michael Pfad.

Vielleicht merkt sich dann auch der Berliner Sven Felski, wer da bei den Hamburg Freezers alles aufläuft.

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