Hamburg - Hertha : Wie Boateng gegen seinen alten Klub spielte

Ein Tor gegen seinen alten Klub - das wär’s gewesen für Jerome Boateng. Zumal seinem Wechsel nach Hamburg im Sommer ein zähes Ringen zwischen abgebendem und begehrendem Verein vorangegangen war.

Karsten Doneck

Irgendwann, so nach 20 Minuten, muss es Jerome Boateng ein bisschen langweilig geworden sein. Dass er gegen seine alten Mannschaftskameraden von Hertha BSC nur in der eigenen Hälfte verteidigen sollte, schien ihn etwas zu unterfordern. Die nur sporadisch über Herthas linke Angriffsseite kommenden Gilberto und Grahn blockte der Verteidiger des Hamburger SV fast mühelos ab. Also riskierte Boateng ein bisschen mehr, traute sich auch mal über die Mittellinie. Und bewies dabei eine respektable Schusstechnik. Aus 25 Metern zog der 19-Jährige ab, der Ball wäre von Hertha-Torwart Jaroslav Drobny nicht zu erreichen gewesen. Drobnys Glück: Der Torpfosten verwehrte dem Ball den Einschlag im Netz.

Ein Tor gegen seinen alten Klub – das wär’s gewesen für Jerome Boateng. Zumal seinem Wechsel nach Hamburg im Sommer ein zähes Ringen zwischen abgebendem und begehrendem Verein vorangegangen war. Immer wieder musste der HSV die Ablösesumme aufstocken, bei 1,1 Millionen Euro war endlich die Einigung erzielt. Am 21. August, erst nach Saisonbeginn also, war der Transfer abgewickelt. Und in Hamburg fragte sich mancher, ob denn eine so kräftige Investition für einen so jungen Spieler nicht ein bisschen übertrieben sei.

Boateng hat jetzt neun Bundesligaspiele für den HSV bestritten. Alle Skepsis ist längst in Lob umgeschlagen. Auch gegen Hertha zeigte Boateng eine starke Leistung – in der ersten Halbzeit. Vielleicht kam ihm auch zugute, dass Herthas Offensive den HSV nur mäßig forderte. Nach dem Wechsel konnte Boateng sein Niveau nicht halten. War er verunsichert worden? Als er einen Einwurf ausführen musste in der Ecke des Stadions, in der die Fans von Hertha BSC Stimmung machten, hallten ihm Pfiffe entgegen. Seinen Wechsel nach Hamburg hat ihm der Anhang der Berliner nicht verziehen.

Und als HSV-Innenverteidiger Bastian Reinhardt im eigenen Strafraum eine brenzlige Situation klärte und Boateng dem abprallenden Ball nicht nachsetzte, hagelte es Kritik an ihm auch aus den eigenen Reihen. Erst schimpfte Reinhardt lautstark mit ihm, und kurz danach, der Ball war im Toraus, knöpfte sich Torwart Frank Rost den Mann mit der Trikotnummer 19 vor. Es fruchtete nicht. Boateng rutschte kurze Zeit später im eigenen Strafraum bei einem Zweikampf mit Patrick Ebert ins Leere, Ebert nutzte die freie Bahn zum Ausgleich. Die Geduld von HSV-Trainer Huub Stevens mit Jerome Boateng war bald danach erschöpft. Nach 68 Minuten wurde er ausgewechselt gegen Miso Brecko. Pfiffe begleiteten Boateng auf dem Weg vom Platz – allerdings nur aus der Ecke der Hertha-Fans. Karsten Doneck

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