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Hamburg - Köln 3:4 : Sieben Tore im Duell der Sorgenkinder

Der Hamburger SV kann nach der turbulenten Niederlage gegen den 1. FC Köln nicht mehr tiefer fallen – für Trainer Michael Oenning wird es schon eng

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Hoch im Norden wird das Tief immer bedrohlicher. Am vierten Bundesliga-Spieltag brachte es der Hamburger SV fertig, einen 3:2-Vorsprung gegen den 1. FC Köln in den letzten sechs Minuten noch in eine 3:4 (1:1)-Niederlage zu verschludern. Vor 51 289 Zuschauern im Hamburger Volkspark gelang Kevin McKenna nach einem dramatischen Fehler von HSV-Torhüter Jaroslav Drobny der Kölner Siegtreffer, der gleichbedeutend war mit dem Sturz auf den letzten Tabellenplatz. Dort hatte noch bis zum Samstag der 1. FC Köln verweilt. „Das war eine ganz, ganz bittere Niederlage“, sagte Trainer Michael Oenning, dessen Entlassung die Hamburger Fans schon in ersten Sprechchören forderten. Kommt nicht in Frage, entgegnete der Hamburger Vorstandsvorsitzende Carl-Edgar Jarchow, „natürlich bleibt Michael Oenning unser Trainer. Wir haben in den letzten neun Jahren zehn Trainer gehabt, das hat uns nicht weitergebracht.“

Was aber soll diesen HSV jetzt weiterbringen? Viel mehr hat diese Mannschaft nicht zu bieten. Zu viel hängt an Mladen Petric, einer der letzten schillernden Gestalten aus der guten, gar nicht so alten Zeit, als der HSV noch Champions-League-Ansprüche hatte. Das desaströse 0:5 in München hatte sich der Kroate wegen einer fiebrigen Erkältung erspart, aber rechtzeitig zum Spiel gegen seinen Lieblingsgegner war er wieder fit. In fünf Spielen gegen Köln hatte Petric bis zum Samstag acht Tore für den HSV erzielt, und das neunte ließ nicht lange auf sich warten. Es fiel allerdings nach einem Elfmeter, wie ihn nicht jeder Schiedsrichter pfeift. Florian Meyer ließ sich denn auch lange Zeit mit seiner Entscheidung. Vorausgegangen war eine ungeschickte Attacke des Kölner Kapitäns Pedro Geromel gegen Dennis Aogo. Mladen Petric verwandelte gewohnt sicher.

Doch das Hochgefühl, es schwand so schnell wie es gekommen war. Mit einem simplen Doppelpass hebelten Milivoje Novakovic und Slawomir Peszko die Hamburger Defensive aus. Peszko flanke scharf und flach in die Mitte, wo Dennis Aogo und Marcell Jansen interessiert zuschauten, wie Adel Chihi den Ball nur noch ins leere Tor schieben musste.

Danach stellten die Kölner ihre Offensivbemühungen ein und überließen dem HSV, was ihm nach der radikalen Verjüngung des Kaders noch nicht so gut gelingt: die Spielgestaltung. Vieles hing in der Luft, wenig passte zusammen, und in der sportlichen Krise findet sich eine junge Mannschaft nun mal besonders schwer. „Wir sind am Anfang eines Weges, von dem wir wussten, dass er schwer wird“, sagte Trainer Oenning und sprach allen Ernstes davon, seine Mannschaft habe im Mittelfeld „ein sehr gutes Spiel gezeigt“.

Die Maßstäbe haben sich offenbar geändert beim stolzen HSV. Die defensiven Kölner hatten jedenfalls keine große Mühe, ihren einfallslosen Gegner in Zaum zu halten. Und dann hatten sie ja noch Lukas Podolski. Der hatte zuletzt vor allem durch Dissonanzen mit Trainer Stale Solbakken und ein angebliches Angebot von Galatasaray Istanbul auf sich aufmerksam gemacht. In Hamburg saß er nach überstandener Grippe zunächst auf der Bank, durfte aber zur zweiten Halbzeit für Peszko auf den Platz. Er benötigte gerade vier Minuten zur Einfädlung des Führungstores. Es war fast eine Kopie des 1:1. Wieder rissen die Kölner über die linke Flanke die Hamburger Defensive auf, Podolskis scharfe Eingabe in den Fünfmeterraum ließ Hamburgs Torhüter Drobny direkt auf den Fuß von Novakovic passieren, und schon lag Köln 2:1 vorn.

Der Südkoreaner Heung Min Son ließ den HSV nach einer Stunde noch einmal kurz von einer Wende zum Besseren träumen. Erst köpfte er nach Aogos Freistoß an den Pfosten, der abprallende Ball fiel auf den Fuß von Slobodan Rajkovic, der ihn in seinem ersten Spiel für den HSV zu seinem ersten Tor über die Linie drückte. Das dritte Tor schoss Son gleich selbst, nach einem schönen Haken um Andrezinho und einem genauso schönen Drehschuss in die linke Ecke.

Hamburg war schon in Feierlaune, aber Kölns Trainer Solbakken hatte noch zwei Wechseloptionen, und am Ende waren es die eingewechselten Christian Clemens und Kevin McKenna, die den Unterschied machten. Beide Tore fielen nach Standardsituationen. Chihis Eckball fand Clemens unbedrängt am Elfmeterpunkt. Und bei Sascha Riethers Freistoß ins Irgendwo vor dem Hamburger Tor schob Drobny übereifrig zwei Abwehrkollegen zur Seite und boxte den Ball zu McKenna. Der wollte eigentlich schon abdrehen, entschied sich aber im letzten Augenblick anders und bugsierte den Ball vorbei an allerlei ratlosen Hamburgern ins Tor.

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