Hamburger Sportverein : Aus der Tiefe gekommen

Piotr Trochowski muss sich jetzt beim HSV als Nachfolger von Rafael van der Vaart bewähren. Vergleiche mit dem niederländischen Spielmacher wiegelt Trochowsky zwar ab, das Potential die großen Fußstapfen zu füllen hat er aber allemal.

Karsten Doneck
Piotr Trochowski
Piotr Trochowski (rechts) soll nach dem Abgang von Rafael van der Vaart beim HSV die Rolle des Spielmachers übernehmen. -Foto: AFP

In der Nacht zum Montag fiel die Entscheidung: Telefonisch wurde der Transfer des niederländischen Nationalspielers Rafael van der Vaart vom Hamburger SV zu Real Madrid besiegelt. Für den 25-Jährigen kassiert der HSV geschätzt 13 Millionen Euro Ablöse, zudem erhalten die Hamburger abhängig vom Erfolg der Madrilenen in der nächsten Saison weitere zwei Millionen Euro. Van der Vaart soll bei Real, trainiert vom Deutschen Bernd Schuster, einen Fünfjahresvertrag mit einem Jahres-Nettogehalt von drei bis vier Millionen Euro unterzeichnen. Einen Nachfolger als Spielgestalter findet der HSV in den eigenen Reihen: Piotr Trochowsky.

Freistöße kann Piotr Trochowski auch schießen. Vielleicht nicht ganz so elegant, wie Rafael van der Vaart das tut. Aber seine Schusskraft scheint noch gewaltiger zu sein als die des abwandernden Holländers. Trochowski wird wohl in der kommenden Saison beim Fußball-Bundesligisten Hamburger SV die zentrale Rolle als Spielgestalter übernehmen. „Ich traue mir das zu“, sagt Trochowski.

Der HSV wird mit dem Geld, das Real Madrid für van der Vaart überweist, auf dem Transfermarkt noch einmal aktiv. Die Suche beginnt nicht bei Null. „Wir sind vorbereitet für diesen Fall“, sagt Sportchef Dietmar Beiersdorfer. Bis jetzt hieß es nur, der HSV wolle noch einen Stürmer und einen Abwehrspieler holen. Von einem Spielgestalter ist – vorerst? – nicht die Rede. Es scheint: Trochowski erhält endlich seine große Chance.

Piotr Trochowski – das ist der Stille, der Bescheidene, der Zurückhaltende. Wirbel um seine Person mag er nicht. So hat er auch nicht aufgemuckt, als er zu Beginn der Amtszeit von Trainer Huub Stevens beim HSV zunächst ein wenig ins Abseits gedrängt wurde. Die Hamburger litten damals, im Februar 2007, als Bundesliga-Letzter unter erhöhten Angstzuständen. Trochowski geriet in einen Zwiespalt: Zaghaft begann er gerade seine Karriere in der deutschen Nationalmannschaft, beim HSV aber saß er oft auf der Ersatzbank. Er suchte das Gespräch mit Huub Stevens, von Mann zu Mann. Der Trainer teilte ihm mit, dass er ihn, Trochowski, „für nicht geeignet für den Abstiegskampf“ hielte. Das hörte sich wenig schmeichelhaft an. Trochowski hat das geschluckt, keine beleidigte Reaktion kam ihm über die Lippen.

Aber Gedanken machte er sich schon. Immer wieder tauchten Gerüchte auf. Trochowski sei bei Hannover 96 im Gespräch, Bayern München, sein früherer Klub, wolle ihn zurück, Borussia Dortmund habe Interesse an ihm, Celtic Glasgow wohl auch. Dietmar Beiersdorfer, kam derlei Begehrlichkeiten anderer Klubs zuvor: Der Vertrag mit Trochowski wurde vom HSV bereits vorzeitig bis 2011 verlängert. Ein Vertrauensbeweis: Der HSV glaubte an Trochowski.

Die Situation für den 24-Jährigen besserte sich dann auch in der vorigen Saison – etwas jedenfalls. In 32 von 34 Bundesliga-Spielen war er dabei, aber 24 Mal nicht über die volle Distanz, mal eingewechselt, mal ausgewechselt. Stevens und Trochowski – das passte einfach nicht zusammen. Zumal der Spieler zumeist im linken Mittelfeld herumwuseln musste – nicht seine Traumposition. Die Rolle, die für ihn maßgeschneidert ist, die besetzte eben van der Vaart.

Der Holländer ist weg, jetzt kommt es darauf an, dass Piotr Trochowski die Chance nutzt. Er selbst glaubt, in den Jahren beim HSV dazugelernt zu haben. „Es ist ganz gut, im Fußball auch mal Tiefen zu erleben, nur so kann man in dem harten Geschäft bestehen“, sagt er.Und das klingt dann doch ziemlich abgeklärt. So abgeklärt, wie Trochwoski künftig für den HSV auf dem Spielfeld auftreten will. Den direkten Vergleich mit seinem Vorgänger Rafael van der Vaart indes, den lehnt er rigoros ab: „Dazu spielen wir einfach zu unterschiedlich.“

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